Kritik zuAUFBRUCH!
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Kraftwerk goes Schlemmer
  · 29.03.19
''Den Anfang machte It. Floppy. Rabbit von Katarzyna Kozielska. (...) Der Berichterstatter muss bekennen, dass er den Titel schon für das Originellste an diesem dreißigminütigen Eröffnungsballett hält. Es zeichnet sich in seiner Spannbreite von klassischen Figuren bis zur Gymnastik mit einer tanzenden Wagenfeld-Tischlampe im Zentrum, die offenbar nur die Funktion hat, einen Scheinzusammenhang mit dem Thema des Abends herzustellen, durch Beliebigkeit aus. Ein kurzes Video mit einem Oskar-Schlemmer-Zitat passt ebenso in dieses Konzept, wenn es denn eines ist, wie die willkürliche Lichtregie. 

Umso aufregender erschien Patterns in 3/4 von Edward Clug (...) Man könnte bei diesem Ballett in schwarzen Hosen und weißen Hemden von der Eleganz des Mechanischen sprechen. Das ist nicht ohne Humor, etwa wenn eine Hand Köpfe wie Kugeln auf einem der bis zum Schnürboden reichenden Elemente, umgekehrte Repliken des Buchstaben L, hin und her rollt. Erinnerungen an das Triadische Ballett werden abgerufen. Kraftwerk goes Schlemmer. Kein Spitzentanz, sondern bestes zeitgenössisches Tanztheater. 

Besser konnte es nicht werden. Interessant ist Revolt von Nanine Linning allemal. (...) Bei ihr kommt die zunächst faszinierende, dann immer weniger überraschende repetitive Musik von Michael Gordon live aus dem Orchestergraben, ein Gewinn ohne Zweifel. Getanzt wird barfuß in blauen Ganzkörpertrikots vor einer Blue Screen. Dann wandelt sich das Ensemble zu hexenartigen Figuren in langen Kleidern und mit Gesichtsmasken. Gegen Ende gibt es eine Explosion, ein Sturm kommt auf, im Hintergrund sieht man Schatten. Die Novemberrevolution? So genau will es ein Ballett nicht wissen.'' schreibt Thomas Rothschild am 29. März 2019 auf KULTURA-EXTRA
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