3.0/5
Bewertungen: 2
Rezensionen: 2
Alle Kritiken ansehen.
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Bleierne Virtuosität
  · 24.03.19
Der Sturm hebt erst ganz am Ende nach mehr als vier Stunden an. Jens Harzer, der Ich-Erzähler, tigerte in einem großen Monolog über die Bühne und erzählt vom Österreich der Gegenwart, das nichts mehr mit dem Jauntal von Handkes Kindheit zu tun hat. Nach einem letzten Stoßseufzer, in dem er melancholisch von den Atabaquen erzählt, die sich in ihrem Reservat über die Köpfe der Touristen zuwinken, versinkt die Bühne kurz in Schwarz, bevor der Beifall für den frischgebackenen Iffland-Ring-Preisträger losbrandet.

Pünktlich zur allerletzten Vorstellung von „Immer noch Sturm“, einer Koprduktion der Salzburger Festspiele und des Hamburger Thalia Theaters, die als Gastspiel an der Berliner Volksbühne stattfand, wurde der letzte Wille von Bruno Ganz bekannt: Jens Harzer soll sein Nachfolger als Iffland-Ring-Preisträger werden. Ein Schauspieler der leisen Töne, wie aus einer anderen, untergegangenen Ära. Entdeckt von Dieter Dorn, der ihn noch als Schauspielstudent an die Münchner Kammerspiele engagierte und ans Residenztheater mitnahm. Nach dem Ende dieser Ära ging er ans Thalia Theater, wo er seit 2009 im Ensemble ist.

Der Stil der Inszenierung polarisiert: „Es wird viel geredet und geraunt in dieser Inszenierung, die unendlich lang und langsam ist“, schrieb Hartmut Krug treffend in seiner Salzburger Premieren-Nachtkritik. Hier ist ein Star-Ensemble (neben Harzer weitere große Namen wie Gabriele Maria Schmeide oder Hans Löw) zu erleben, das tief in die Vergangenheit eintaucht, dabei aber oft manieriert wirkt.

Dirk Pilz hat dies damals in der NZZ als „bleierne Virtuosität“ bezeichnet. Treffender kann man die ambivalenten Eindrücke, die „Immer noch Sturm“ hinterlässt, nicht beschreiben.
Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?