Kritik zuAm Königsweg
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Wüten in Wild-West- Manier
  · 22.01.19
''Drei männliche Darsteller betreten stürmisch in Fetischkostümen die Bühne, die von Domina-ähnlichen Akteurinnen an einer Hundeleine gehalten werden. Wie im Wilden Westen wird das Recht des Stärkeren postuliert. Denn der Glaube an den starken, weißen Mann scheint ungebrochen. Gejodel unterstreicht die unzähligen Falschaussagen des Königs. Denn die Wähler hassen bekanntlich Korrektheit und sind gegen das Establishment. Im Geschichtsbuch oder Gesichtsbuch gilt die Wahrheit, die man selbst von sich preisgibt. Nur der Aufmerksamkeits-, Unterhaltungs- und Emotionswert muss stimmen. 

Als Pendant zu Trump dient in dem Drama der antike König Ödipus. Antike Vorstellungen der Opferung basierend auf der antiken Tragödie werden etwa durch mehrfach auftretende synchrone Stimmen im Chor szenisch angedeutet. Die klagenden Figuren tragen barocke Perücken. Hier wird auch bildlich ausgedrückt, dass alte Gewissheiten in Frage stehen, wenn es heißt, „unsere Zeit ist um“. Die Perspektiven verschwimmen ohnehin, wenn das Alter Ego der Autorin, die Seherin, geblendet wird und so erblindet. In einem Wechselspiel wird nun die Frage gestellt, wer denn nun eigentlich die Misere verschuldet hat. Was ist hier noch echt? Am Schluss sind alle die Geopferten. 

Die unterhaltsam-vergnügliche Parodie eines Präsidenten problematisiert, dass demokratische Verhältnisse gefährdet scheinen, wenn der König die eigene Macht durch Gewalt und Ausbeutung schamlos ausnutzt. Seine ökonomischen Interessen gehen auf fatale Weise mit seiner politischen Macht einher. Von Troskows Inszenierung zeichnet sich (ganz im Gegensatz beispielsweise zu Stephan Kimmigs Inszenierung am Deutschen Theater Berlin) durch großen Ideenreichtum und eine dynamisch sehr präzise und gekonnte Spielwut des Ensembles aus. Das choreographisch ausdrucksstarke Auf und Ab der Szenerien ist stimmig, die Dialoge und Monologe erscheinen witzig und pointiert. Schlussendlich sind auch die eindrucksvollen Kostüme von Sandra Linde und Dorien Thomsen sehenswert.'' schreibt Ansgar Skoda am 22. Januar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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