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Schaulaufen bis zum bitteren Ende
  · 11.12.18
Schauspieler mischten sich noch vor Beginn unter das Publikum. Sie wenden sich auch als Figuren immer wieder an ihre Zuschauer. Die Figur des Dichters Alceste legt als Außenseiter im achtköpfigen Ensemble die Inszenierung wiederholt als Inszenierung offen, während die anderen Figuren das Publikum als Party-Gäste miteinbeziehen, sie zum Tanz auffordern oder auch in der Theaterpause mit ihnen liebäugeln. (...)

Luftballons und Konfettikanonen, Wind- und Nebelmaschinen und ein Bad mit goldenen Bällen dienen als bewegte Kulisse vor schwarzfarbigen Hintergrund. Später tragen die Darsteller Masken, wie im venezianischen Karneval. Dies betont auch die ausdruckslose Ungerührtheit angesichts gesellschaftlicher Intrigen mit durchaus zerstörerischem Ausgang. 

Neumanns Inszenierung ist aufgrund der leidenschaftlichen darstellerischen Leistungen von Daniel Stock als Alceste und Annika Schilling als Célimène besonders im ersten Teil vor der Pause ein furioser Hochgenuss. Auch das übrige Ensemble reißt mit und agiert energiegeladen, etwa wenn die Figuren sich auf der Party ausgelassene Schlagabtausche liefern oder zu Medleys von Schlagern wie Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ tanzen. Während Lena Geyer als Éliante insbesondere im zweiten Teil leider etwas zu blass, backfischartig-bieder und auch von der Stimmmodulation her zu wenig wandlungsfähig erscheint, setzen Lydia Stäubli als Arsioné, Christian Czeremnych als Philinte und Bernd Braun als Oronte durchaus packende Akzente. Nicht nur für leicht erregbare Misanthropen, die wie Alceste kein gutes Haar auch an jedweder Journaille lassen, also sehr sehenswert.'' schreibt Ansgar Skoda am 11. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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