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Der Genuss des Selbstmitleids
  · 03.12.18
Ein Mann leidet an sich und seiner Umgebung. Er hält sich für böse, verkommen und abstoßend. Er kostet sein Leiden aus. Er wälzt sich am Boden in seinem Selbstmitleid. Hatte er sich nicht aus Verachtung für die übrige Welt vor ihr zurück gezogen, wie er immer wieder behauptet? Mit seinen vierzig Jahren ist er in ein Kellerloch gezogen, in dem er seitdem nur mit sich selbst, seinen Gedanken und seinen Erinnerungen haust. So braucht er sich mit keinem Gegenüber mehr auseinander zu setzen. So weit zumindest in der Theorie. Doch bald mischt sich in seine Selbstgespräche, die er häufig an ein abwesendes Publikum richtet, eine weitere Person ein. Zunächst nur mit irritierenden Versuche auf einem Brett zu balancieren, ein Brett in der Waagerechten zu halten sich selbst mit einer der Arbeitsleuchten in Szene zu setzen. Sie summt leise vor sich hin. So sieht wahre Selbstgenügsamkeit aus. 

Der Mann guckt leicht indigniert, macht dann unverdrossen weiter in seiner Selbstbespiegelung. Doch dann dringen immer weitere Erinnerungen aus seiner Vergangenheit an die Oberfläche und in der Frau findet er das Gegenüber, das seine Schwächen, seine Unfähigkeit und seine Einsamkeit offenbar werden lassen. Während die Frau mit sicherer Körperbeherrschung über wackelige Bretter läuft, auf hohe Leitern klettert, klammert der Mann an jeden verfügbaren Haltegriff. Als er über das Bewusstsein der Maus im Vergleich zum Menschen philosophiert, hockt er oben auf einer Klappleiter mit ängstlichem Blick in die Tiefe. 

Clemens Mägde hat den schmalen Roman von Dostojewski zu einem Bühnentext verdichtet und ihn für das Monsun Theater inszeniert. Dabei gelingt ihm mit dem intensiven Spiel von Stefan Schießleder und Irene Benedict eine Umsetzung, die mit wenigen Bühnenmitteln aus einigen Leitern und Brettern einprägsame Bilder schafft und viel Raum für eigene Assoziationen lässt. Eine weitere gelungene Zusammenarbeit zwischen den Autor und Regisseur Mägde und dem Monsun Theater. Ein wunderbar tiefgründiger Abend, dem man viele Zuschauer wünscht. 

Birgit Schmalmack vom 3.12.18
www.hamburgtheater.de
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