4.0/5
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Verpixelt
  · 07.12.18
''Bei Axel Ranisch geht die Optik dem Stoff voraus. Der studierte Filmregisseur hatte einen Einfall, und den setzt er in der Liebe zu drei Orangen konsequent durch. Das hat seinen Reiz, und der stürmische Applaus, den er bei der Premiere erntete, zeigt, dass das Publikum die Bevorzugung des Auges gegenüber dem Gehirn durchaus schätzt. Nur: was Ranisch mit Prokofjew macht, hätte er mit fast jeder Oper machen können. Es gibt für just diese Ästhetik bei diesem ohnedies ungewöhnlichen Werk keine zwingende Notwendigkeit. 

Ranischs Einfall: das Märchen, das der Italiener Carlo Gozzi im 18. Jahrhundert unter Nutzung der Formensprache der Commedia dell‘arte erfunden und der große russische Theateravantgardist Wsewolod Meyerhold Anfang des 20. Jahrhunderts bearbeitet hat und das in Stuttgart in deutscher Übersetzung mit Ausdrücken wie „Outfit“ gesungen wird, wird in Szene gesetzt als Computerspiel mit Figuren, die einer Playmobil-Sammlung entstiegen scheinen. Das bewegt sich irgendwo zwischen dem Wizard of Oz und Tolkiens Universum, aber nicht filmisch, sondern verpixelt. Das wird durchgehalten, bis Ninetta schließlich eine Orange gebiert. Was es mit den drei Orangen auf sich hat, interessiert Ranisch nicht. Er ist im strengsten Sinne ein Formalist. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber es bedeutet gegenüber Wieler und Morabito einen Wechsel. Dessen muss man sich beim Applaus bewusst sein. Ansonsten endet die Oper in der Beliebigkeit.'' schreibt Thomas Rothschild am 7. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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