Kritik zuSalome
2.4/5
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Drag-Musical mit antisemitischen Stereotypen
  · 03.12.18
Der Abendzettel verkündete zwar kryptisch, dass es sich um eine „Salome“ nach Oscar Wilde von Thomaspeter Goergen mit Texten von Orit Nahmias handle. Aber wer das schmale Reclam-Bändchen vorher studiert, wird die dramatische Struktur unschwer wiedererkennen. Goergen, der mit Mondtag schon als Dramaturg seiner „Tyrannis“ zusammenarbeitete, übermalt und aktualisiert das mehr als ein Jahrhundert alte Drama nur mit sanften Pinselstrichen.

Ungenierter geht Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag zu Werke: „Salome“ wird bei ihm zum Drag-Musical mit den schrillen Cross-Gender-Kostümen von Josa Marx, der Musik von Max Andrzejewski und einer Überdosis Bühnen-Nebel. Aus der anmutigen Prinzessin Salome wird ein nölendes Riesenbaby (Benny Claessens in doppelter Ausführung leibhaftig und als überlebensgroße Nackt-Kopie), König Herodes verleiht Lea Draeger eine interessante Mischung aus Grandezza und Strenge, seine Frau Herodias wird bei Michael Gempart, einem Schweizer Theater-Veteranen, der eng mit Schlingensief zusammengearbeitet hat, zur Karikatur mit derangiert abstehender Frisur, als käme er frisch aus einer Fritsch-Inszenierung. Oscar Wilde hätte an dieser queeren Travestie wohl seine helle Freude gehabt, die Camp-Ästhetik zündet aber genauso wenig wie der restliche Abend.

Das Trio wird eingerahmt von Johannes dem Täufer, der auf fünf Spieler*innen (Mehmet Ateşçi, Karim Daoud, Jonas Grundner-Culemann, Anna Mattes und Aram Tafreshian) aufgeteilt wird, die mit ihren angeklebten Geschlechtsteilen betont lächerlich wirken und mit ihren Hakennasen aus der Mottenkiste antisemitischer Stereotype irritieren. Als der fünffache Johannes zum Finale dann auch noch ein Lied über die „Endlösung“ trällert, stellt sich die Frage noch massiver, ob Mondtag mit diesen ironisch vor sich hergetragenen antisemitischen Holzhammer-Karikaturen nicht die Grenze des guten Geschmacks überschreitet.

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