Kritik zuCandide
2.7/5
Bewertungen: 9
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Bernsteins Schuld
  · 26.11.18
"Comic Operetta", kein guter Untertitel, verheißt hier wenig Witzigkeit. Das Problem ist die notorische Betriebsnudeligkeit, die Lizenz zum Arschwackeln, auf die etliche Beobachter Koskys inzwischen genervt reagieren. Immer wieder: Federboas, Transen und Trabtrab. Mit 3 ¼ Stunden Dauer ist der Abend eindeutig zu lang. Das geht allerdings aufs Konto Bernsteins, der sich einen für Musiktheater herzlich ungeeigneten Voltaire-Roman zur Vertonung wählte. Zu viele Beiträger haben das Werk vermurkst. Schwer rettbar, trotz fünf bis sechs köstlicher Stellen.

Anne Sofie von Otter, superprominent besetzt als Old Lady, ist eine zur Pennerin heruntergekommene Moll Flanders. Ihr klumpfüßiger Tango ist wirklich witzig: Sehr souverän angesichts einer Rolle, an der selbst Anja Silja und Grace Bumbry scheiterten. Nicole Chevalier, bei spröder Mittellage, ist eine sehr gute Kunigunde (es wird auf Deutsch gespielt). Allan Clayton, in Lederhosen lustig ausstaffiert, kommt in der Titelrolle zu kurz. Was einen Denkfehler der Aufführung offenbart.

Kapellmeister Jordan de Souza dirigiert eine jovial-theaterrumpelige Ouvertüre, kann aber über die schwächeren Strecken nicht hinwegtäuschen. Das ganze Montevideo- und Surinam-Bild: komplett überflüssig (teilweise auch das Venedig-Bild). Vielleicht haben die Bernstein-Erben die Straffung verhindert. Schön dumm. Den Beteiligten sei das alte Otto-Brahm-Wort zugerufen: "Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen." schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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