3.3/5
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wie grausam ist die welt
  · 23.06.15
kritikerkritiken lese ich um zumindest zu erfahren, was passieren wird auf der bühne. somit wusste ich von den ''ekel''szenen (ein ''baby'' wird geschlachtet, ein bischof ''scheißt'', genitalien werden verstümmelt, was für mich aber hier vor allem symbolisch wirken sollte) und der gern blasierten antipathie dem regisseur und stück gegenüber.
die volksbühne war aber ausverkauft, das ''volk'' also trotzdem interessiert und nicht genug abgeschreckt von dem, was schon eifrig berichtet wurde.
nach intensiven 90 minuten applaus, der sich aus viel aufmerksamkeit speiste. für das vitale ensemble, das hier mehr leisten muss als üblich und das man achten wird.
radikal-regisseur johann kresnik (75) zielt mit wucht in die totale breitseite gegen menschenverachtende konzerne, die bigotterie der kirche, die verlogenheit der politik.
die bühne ist als riesiger knallbunter konsumtempel angelegt, von gottfried helnwein reinmontiert. das ist der schauplatz der botschaftsstarken schlacht um den konsumfaschismus, den kresnik hier zur wurzel des übels erklärt. warum, wird er aufzeigen in bildgewalt.
auf der einen seite die verrohten vertreter der macht, auf der anderen die opfer (die man hier symbolisch zuordnen kann). es wird so grausam, wie macht grausam ist.
der dunkelhäutige choreograph ismail ivo, mit 60 jahren noch körperlich ein kraftwesen, lässt die tänzer aus den körpern heraus schmerzen, auch nackt, nie voyeuristisch und somit berührend.
die inszenierung langweilt keine sekunde. die wucht landet nicht in der magengrube sondern in der herzgegend. ich hatte das gefühl, kresnik legt mir ein blutendes zuckendes herz in die hände und prüft, ob ich das aushalte. wenn man doch pathetisch werden will, und das will ich hier unbedingt bei diesem abend: es ist das herz der welt.
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