Kritik zuDer Medicus
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Sehenswert: „Der Medicus“ im Deutschen Theater in München
  · 10.11.18
Am 9. November 2018 feierte Noah Gordons „Der Medicus“ umjubelte Premiere in München. 

Die mittelalterliche Geschichte rund um den Engländer Rob Cole (Patrick Stanke), der nach Persien auszieht, um das medizinische Handwerk zu erlernen, ist dem Zuschauer bestimmt bereits durch Kino und TV bekannt. Der junge Rob verliert früh seine Eltern durch schwere Erkrankungen und hat auch noch die unselige Gabe, mit seinen Händen zu spüren, ob Menschen sterben müssen. 
So macht er sich auf die jahrelange Reise bis nach Persien, wo der Arzt aller Ärzte, Ibn Sina (Reinhard Brussmann) junge Männer zu Ärzten ausbildet. Um das Studium antreten zu können, gibt Rob vor, Jude zu sein. Ein gefährliches Unterfangen, das ihn Kopf und Kragen kosten kann. Nicht zuletzt birgt die Tatsache, dass sein Mitstudent Karim (Christian Schöne) aus der persischen Herrscherfamilie überraschend zum Schah aufsteigt und voll in seiner neuen Macht aufgeht, weitere Gefahren. 

Die Musik aus der Feder von Dennis Martin ist eingängig und melodiös. Besonders die Ensemblestarken Szenen („Die Zeiten sind hart“, „Machen wir das Beste draus“, „Die Pest ist in der Stadt“) beeindrucken. Aber auch Patrick Stanke (Aida, Die drei Musketiere) singt zusammen mit Robs großer Liebe Mary, gespielt von Barbara Obermeier (Tanz der Vampire, Sister Act), bewegende Duette („Wenn die Sterne mit uns sind“) und vor allem auch starke Soli, wie „Mein Weg“ oder „Ich muss es tun“, während sich Rob durch einen Sandsturm in der Wüste kämpft. 

Das Bühnenbild ist einfallsreich, bunt und aufwändig. In Szenen wie in der Wüste, Schneelandschaft oder in Isfahan kommen zusätzlich Leinwand-Projektionen zum Einsatz, die das Publikum ganz und gar ins Geschehen zu ziehen vermögen. Auch die große Hütte, die als Winterquartier auf der Reise nach Persien dient, ist sehr atmosphärisch – durch und durch aus Holz und mit Fell dekoriert. Und schlussendlich das quirlige Treiben in der persischen Stadt und im Palast des Schahs wird neben orientalischen Gebäuden auch durch bunte Kostüme zum Leben erweckt. 

Das Multi-Kulti-Musical mit durchweg gesangsstarker Besetzung auf höchstem Niveau macht Spaß, ist jedoch gleichermaßen dramatisch, setzt sich mit Krankheit und der alten Wissenschaft, mit Religion, Liebe, Macht und Krieg auseinander. Das Münchner Premierenpublikum war in jedem Fall überzeugt und quittierte die Show mit Standing Ovations. 

Wer die sehens- und hörenswerte Reise mit Rob Cole durch die verschiedensten Länder antreten und seine dramatische Geschichte in Isfahan, der Perle des Orients, direkt miterleben möchte, kann dies noch bis zum 25. November 2018 im Deutschen Theater in München tun. Es lohnt sich! 

(Jasmin Gollwitzer)

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