1.7/5
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Nazioper mit Dramaqueen
  · 05.11.18
''Bösch baut hier immer wieder wie zur Erklärung kleinere Rampenmonologe ein mit Zitaten von Nazigrößen oder Schriftstellern und Dichtern wie Bertolt Brecht, dessen Gesicht kurz bei der mit echten Flammen inszenierten Bücherverbrennung am Bühnenhorizont auftaucht. Koffer stehen hier für Flucht und Vernichtung. Die SA-Kohorten singen "Flieger grüß mir die Sonne" oder anderes nationalistisches Liedgut. Aber die große Dramaqueen des Abends ist Nico Holonics als psychopathologischer Fall und pädophiler Sohn Martin, der als Marlene-Dietrich-Parodie selbst der Lady Macbeth Corinna Kirchhoff die Schau stiehlt. Da wirkt auch der verhinderter Macbeth Peter Moltzen, der tatsächlich zitternd Shakespeare-Verse rezitiert und auch mal mit dem Schwert auftaucht, relativ blass. Bösch macht es recht theatralisch und drückt auch zum Ende voll auf die Drama-Tube. Das Hochzeitspaar Sophie von Essenbeck und Friedrich Bruckmann fällt unter den Schüssen des sich von seiner Übermutter befreienden Martin. Die Nazis sind am Ziel und wie zur Mahnung lässt Bösch noch mal alle blutüberströmten Leichen des Stücks aufmarschieren. Bösch liefert hier eher eine etwas zähe Visconti-Parodie. Wer melodramatischen Shakespeare mag, dürfte auf seine Kosten kommen.'' schreibt Stefan Bock am 5. November 2018 auf KULTURA-EXTRA
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