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Boxen als Metapher
  · 04.11.18
''Hier hat jemand seine Lektion fürs Leben gelernt, „daß, jedes Ding, wenn man es genauer betrachtet, seine zwei Seiten hat“. Jede Niederlage bringt den jungen Mann auch irgendwie weiter, bei jedem vermeintlichen Sieg, wird am Ende doch draufgezahlt. Mal wird der Naivling von einem Rummelboxer nach Strich und Faden verprügelt, was ihm die Sympathie eines jungen Mädchens einbringt. Dann verliert Körner sein ganzes Habe und den ersten echten Kampf gegen einen Mann, der auf seine Stunde warten kann. Der Schiffskoch Brown erteilt dem jungen Wilden so seine erste Lektion. Ausgeknockt nach Punkten könnte man sagen. 

Recht schnoddrig und schnell wird das von Oliver Kraushaar vorgetragen, dabei zieht sich der Schauspieler langsam an. Aus dem zunächst halb nackten Menschen wird so der später im feinen Anzug posierende Boxstar. Brechts Fragment schmückt Kraushaar mit dessen Reflexionen über den Sport im Allgemeinen und das Boxen im Speziellen aus. Dabei arbeitet sich der junge Regisseur etwas zu brav am Boxen als Metapher für das Leben ab. Der Kampfsport ist bei Brecht aber mehr als bloße Lebensphilosophie. Ein „Theater der Raucher und des Schweiß“, wie es Brecht vorschwebte, wird der sparsame Abend dann eher nicht. Zu disparat verhalten sich auch die einzelnen Textzitate zum Fragment, zu dem noch am besten die bekannte Brechterzählung Der Kinnhaken passt. Ein Boxer geht k.o., weil er sich nicht verzeihen kann, einem Gelüst folgend Stunden vor dem Kampf ein Bier zu trinken und es dann doch nicht tut. „Vorsicht ist die Mutter des k.o.“ Auch Krauss riskiert hier bei seiner ersten Inszenierung zu wenig. Boxen kann man, wie es einmal heißt, nicht spielen. Und das sieht dann hier auch eher wie ein einfacher, etwas knapper Punktsieg aus.'' schreibt Stefan Bock am 4. November 2018 auf KULTURA-EXTRA
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