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Klischeehafte Figuren. Satirischer Biss versandet
  · 20.10.18
Der Besetzungszettel war vielversprechend: allen voran die beiden Gäste Anita Vulesica, die bis 2017 am Deutschen Theater Berlin engagiert war und als eine der besten Komödiantinnen auf den Bühnen der Stadt in bester Erinnerung ist, und Astrid Meyerfeldt, die von 1992 bis 2008 eine prägende Volksbühnen-Spielerin war und zuletzt bei Armin Petras am Schauspiel Stuttgart arbeitete.

Allerdings stellt sich schnell Ernüchterung ein. Die erste Szene ist ein frecher Sex-Talk zwischen Vulesica und Nathan, in der die beiden die Frage verhandeln, wer den aktiven Part übernehmen darf, welche Grenzen nicht überschritten werden dürfen und wer wen penetriert. Dies ist einer der raren Momente, in denen Anita Vulesica ihr Talent wirklich ausspielen darf. Etwas mehr Freiräume bekommt oder nimmt sich Meyerfeldt, die eine kleine Prise Volksbühnen-Hysterie á la Pollesch einbringen darf.

Der zweite Teil hätte eine gallige Satire über fünf Schauspielerinnen werden können, die in Brautkleidern und mit türkisfarbenen Perücken vor der Tür und Besetzungscouch des Regie-Gurus Schlange stehen, der jede von ihnen nur respektlos „Mümmi“ nennt. Sie hoffen alle darauf, in seinem neuen „Projekt“ über Maos Witwe wieder damit dabei sein zu dürfen und müssen sich eingestehen, dass ihr als Künstlergenie verklärtes Idol sie nur gegeneinander ausgespielt hat.

Streeuwitz macht sich über ihre halbherzigen Protestversuche, über ihr Schönreden und ihre Lebenslügen lustig. Als kurze Intervention hätte diese Satire gut funktionieren können. Für zehn, fünfzehn Minuten lässt der Abend sein Potenzial aufblitzen, aber auch dieser zweite Teil versandet.
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