Kritik zuAusser sich
2.0/5
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Toller Stoff, Schwierigkeiten bei der Umsetzung
  · 12.10.18
Queeres Erforschen der sexuellen Identität, Trans*-Figuren im Mittelpunkt des Plots, die Suche nach den jüdischen, russischen Wurzeln, deutlicher Protest gegen Erdogans autokratischen Kurs: Sasha Marianna Salzmann, Hausautorin des Gorki Theaters und ehemalige Leiterin des Studio Я, befasst sich in ihrem Debüt-Roman mit vielen Fragen, die Shermin Langhoffs Haus seit Jahren umtreiben.

Da es sich bei „Außer sich“ auch noch um einen richtig guten Roman handelt, der zurecht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2017 stand, musste das Gorki Theater natürlich zugreifen und durfte sich die Chance auf eine spannende Uraufführung nicht entgehen lassen.

Der Haken an der Sache: Sasha Marianna Salzmanns ausufernde, in Rückblenden bis zur Urgroßeltern-Generation zurückreichende Familien-Saga fordert jeden Theater-Regisseur heraus. Erschwerend kommt noch der besondere Sound hinzu: Sasha Marianna Salzmanns wie beiläuig in Nebensätzen eingestreute Pointen, die ihre längeren Reflexionen und Beschreibungen auflockern, sind ein Lesevergnügen, das sich nur schwer szenisch übersetzen lässt. Fürs Kino oder noch besser als Serien-Stoff könnte „Außer sich“ eine sehr interessante Vorlage, auf der Bühne, vor allem in einem üblichen Format (jenseits von Castorf) mit knapp 2 Stunden, lässt sich dieser Stoff nur schwer wuppen.

Der Abend kam zumindest beim Gorki-Stammpublikum glänzend an und hat trotz sichtlicher Probleme, überzeugende Ideen für die Umsetzung zu entwickeln, auch tatsächlich einige hübsche Szenen zu bieten: Kenda Hmeidan und Sesede Terziyan geben ein Max und Moritz-artiges Zwillingspaar, Anastasia Gubareva überzeugt als besorgte russische Mama, Mehmet Atesci und Margarita Breitkreiz schlüpfen in die Rollen der erwachsen gewordenen Zwillinge und Alis Trans*-Freund Katho. Undankbarer ist die Rolle von Falilou Seck, dessen trinkender russischer Vater, der die Welt um sich herum, seine Frau und seine Kinder nicht mehr versteht, zu sehr zur Karikatur gerät.

Ohne die vorherige Lektüre des Romans bleiben nach den oft nur kurz skizzierten Szenen und der Vielzahl der Figuren sicher einige Fragen offen. Die Inszenierung funktioniert deshalb vor allem als Teaser und macht Lust auf eine Roman-Lektüre, die sich lohnt.

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