2.5/5
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3 von 5 Personen fanden die Kritik hilfreich
Auffallende Inhaltslosigkeit
  · 17.09.18
''Großes Thema auch hier die Gleichzeitigkeit der Ereignisse, die mediale Reizüberflutung, die die Erkennbarkeit der Welt erschwert. Hinzu kommt nun noch die gedankliche Überforderung durch die Vorstellung, kein einzigartiges Individuum zu sein. Das kulminiert in der im Mittelpunkt der Inszenierung stehenden Hochzeitszene, bei der das Zeit-Raum-Kontinuum aufbricht und sich beide Hochzeitgesellschaften gewahr werden. Was natürlich auch nur mittels Videoübertragung funktioniert. Es beginnt nun ein Streit darüber, wer nun das echte Brautpaar ist. Ein dialogischer Schlagabtausch, der an Banalität und Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten ist und in einem Currywurstdisput zwischen Dortmund und Berlin mündet, bei dem über das Wort „Vorstellung“ gekalauert wird. Es gibt „Quanten“-Witze und Schrödingers Katze als Weihnachtsgeschenk. Dazu wabert über den allgegenwärtigen Videoscreen eine computeranimierte Flüssigkeit frei nach dem Motto: Alles fließt. 

Esoterischer Kokolores, wie man ihn auch von Susanne Kennedy (Die Selbstmord-Schwestern und Women in Trouble) kennt. Was zudem sauer aufstößt, wurden und werden sie und Voges doch oft auch als Nachfolger für eine zukünftige Volksbühnenintendanz gehandelt. Die reale Welt in die digitale zu erweitern und zu spiegeln, ist ihr erklärtes Ziel. Viel anzufangen weiß das digitale Theater von Kay Voges mit der Technologie allerdings nicht. Was bleibt, ist ein schales Gefühl, dass das eigentliche Theater und die reale Welt hinter das technische Blendwerk einer digitalen Videoshow zurücktritt. Und das ist nicht zukunftweisend, sondern ziemlich reaktionär. Kay Voges nennt das Ganze ja auch eine „Multimedia-Performance an der Schnittstelle von Theater und Filmkunst“. Mit einem guten Drehbuch ließe sich damit vielleicht bei Amazon oder Netflix reüssieren.'' Stefan Bock am 17. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
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