Kritik zuAlte Meister
3.3/5
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Minimalistische Geisterséance
  · 15.09.18
''Pianist Pintaudi gibt den Atzbacher, wenn er nicht am Klavier sitzt oder mit den drei anderen durch den Innenraum tigert. Auf Kommando Stellungswechsel entsteht etwas Bewegung, ansonsten stecken die Irrsiglers auch mal die Köpfe in die Seitenwände, repetieren häppchenweise Romantext oder sprechen in einen Saallautsprecher. Das ist Minimalismus pur, der nur in den typischen Bernhardausfällen gegen Dürer, Bruckner oder Heidegger etwas Komik verbreitet. Trägt doch bezeichnender Weise Bernhards Roman auch selbst die Gattung Komödie im Untertitel. 

Allerdings kommt auf Dauer wie meist bei Luz ein gewisses Marthalerfeeling auf. Seinen eh schon nie besonders ereignisreichen Inszenierungsstil fährt Luz hier fast vollständig gegen Null. Es gibt diesmal auch keine seiner bekannten visuellen Spielereinen zu sehen. Ein wenig Nebel und die Whitebox des Museumsinnenraums sind alles, was der Bilderzauberer Luz an Gestaltungsmitteln einsetzt. Das ist für den sprachgewaltigen Bernhardsound, dem Luz nur ein wenig klassisches Piano, fernen Gesang und österreichische Volksmusik entgegensetzt, einfach zu wenig. Und so verbreitet sich neben gediegener Langeweile auch ein Gefühl der Melancholie, das Bernhard so fremd sein dürfte wie ein gelungener Abend im Burgtheater. 

Bernhards Weltflucht in die Kunst und deren Kritik als 80minütige sentimentale Geisterstunde und gänzlich missverstandener ziemlich stummer Schrei nach Liebe.'' schreibt Stefan Bock am 15. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
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