Kritik zuIn Alice Welt
2.0/5
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Höfliche Distanz
  · 24.08.18
Bis zu zehn Minuten sitzen wir in kleinen Gruppen in den engen Zimmern auf Betten, umgedrehten Bierkisten oder kleinen Hockern und werden von den kryptischen Sätzen aus dem Kopfhörer beschallt. Am Tisch ist einer der vielen Schauspieler platziert, die sich die Hutmacher-Rolle teilen, und meist murmelnd in scheinbar sinnfreie Tätigkeiten versunken. Es dauert oft eine gefühlte Ewigkeit, bis das nächste Kaninchen kommt und uns in einen weiteren Raum begleitet.

Durch diese langen Phasen des Wartens stellt sich der erhoffte immersive Sog bei „In Alice Welt“ nicht ein. Der Abend bleibt höflich auf Distanz. Nur selten werden die Zuschauer direkt angesprochen oder angespielt. Im Vergleich zu den oft sehr übergriffigen Signa-Arbeiten ist dies sehr wohltuend. „In Alice Welt“ droht aber ins andere Extrem zu verfallen: zu viel Leerlauf, erst in den letzten Minuten, bevor sich alle auf Feldbetten versammeln, lernt man im Schnelldurchgang alle Winkel und Kämmerchen des Labyrinths kennen, dessen Potenzial diese Arbeit noch stärker hätte nutzen können. Dann wäre aus einem vielversprechenden Experiment nicht nur ein ungewöhnlicher, sondern auch ein eindrucksvoller Theaterabend geworden.

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