Kritik zuDie Letzten
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Splatter-Groteske und Solo-Show
  · 16.06.18
Der ungarische Regisseur Dömötör, der in Berlin sowohl am DT als auch am Gorki regelmäßig inszeniert, konzentriert sich vor allem auf den Terror in der Familienhölle und setzt wie gewohnt auf die Komik drastisch überzeichneter Figuren. Hinter einer Glaswand krabbeln und sitzen die Kinder in ihren Pyjamas und mit grell geschminkten Gesichtern wie Insekten oder Versuchskaninchen herum. Das schwächste Glied in der Kette ist jedoch der reiche Onkel Jakow, der von Iwan und seiner Familie nach Strich und Faden ausgenommen wird: er wird in Dömötörs Groteske nicht von einem Schauspieler verkörpert, sondern von einem überdimensionalen Teddybären, an dem alle zerren. Abwechselnd macht sich einer der Spieler über ihn her, schlitzt ihm den Bauch auf und schleudert den Schaumstoff durch die Gegend.

Der Abend kulminiert in einer Kunstblut-Splatter-Orgie, bei der Iwan seine gesamte Familie mit einer Bohrmaschinen-Attacke erblinden lässt und auslöscht. In den zwei Stunden bis dahin hängt der Abend jedoch deutlich durch: die Spielerinnen und Spieler, die sich die Kinderrollen teilen und abwechselnd die Mutter verkörpern (der regelmäßige Gast Knut Berger sowie die Gorki-Ensemble-Mitglieder Mareike Beykirch, Lea Draeger, Vidina Popov, Aram Tafreshian, Till Wonka, immerhin einige Aushängeschilder des Hauses), dürfen nur Abziehbilder spielen. Sie sind Staffage in der Dimitrij Schaad-Show, dem zwischen all den Figuren ohne Konturen jedoch die Sparringspartner fehlen.

Ein zweiter Kritikpunkt ist, dass Dömötör das Stück zwar als Groteske anlegt und sich gegen Gorkis Realismus entscheidet, aber bis zum Splatter-Finale in seiner Regie zu unentschieden und mit angezogener Handbremse wirkt.

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