4.1/5
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Düster und sperrig
  · 01.06.18
In den knapp zwei Stunden zeichnen sie mit gemeinsam mit ihren acht Spielerinnen und Spielern ein sehr düsteres Bild von der postsowjetischen Kaukausrepublik und der Welt. Eine angedeutete Vergewaltigung, kompromittierende Videos, mit denen Gegner erpresst werden, rüde Verhörmetoden bis hin zur Folter, dazwischen mischen sich Erinnerungen an den rechtsextremistischen Terrorakt von Anders Breivik gegen das Jugendcamp auf der Insel Utoya: in ihrer assoziativen Szenenfolge reiht sich ein Negativbild an das nächste. Ähnlich düster und sperrig beschrieb Nachtkritik die erste deutsch-georgische Ko-Produktion „Tiger und Löwe“, mit der Tavadze/Gabunia vor wenigen Wochen in Karlsruhe vom stalinistischen Terror erzählten.

Aus der bedrückenden Monotonie ragen nur wenige Bilder heraus, die sich einprägen: Ein Mann, der zahlreiche Stühle gleichzeitig mit sich herumtragen und balancieren muss. Sein Körper wirkt darunter wie in eine Rüstung eingezwängt. Das Ensemble, das einen halbnackten Spieler mit Filzstift markiert: einer nach dem anderen tritt vor, zerrt an ihm und bemalt ihn. Die Aktion, mit der der Abend beginnt, fokussiert sich vor allem auf die Leber des Opfers.

In der Schluss-Sequenz wird der Bogen zurück zu dieser Eröffnung geschlagen: an eine lange Holzstange gefesselt, die an die Passion Christi erinnert, klagt Prometheus über die Strafe, die ihm im griechischen Mythos auferlegt ist. Als Strafe für seine Hybris, den Menschen das Feuer gebracht und sich zum Gegenspieler von Zeus aufgespielt zu haben, wird er von Zeus an einen Kaukasus-Felsen gekettet und muss es wehrlos über sich ergehen lassen, dass ein Adler über ihm kreist und seine Leber frisst, die ihm jedes Mal nachwächst, so dass sich seine Qual ebenso als ewiger Kreislauf wiederholt wie das Leid der Figuren im Stück „Prometheus. 25 Jahre Unabhängigkeit“.

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