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Episodisch
  · 28.05.18
''Schon der Tatbestand einer Bearbeitung einer Bearbeitung hinzüglich der Berücksichtigung eines lediglich durch zwei prägnante Akt-Zäsuren pausenlos durchkomponierten Noten-Textes hätte Castorf vorher "stutzig" machen sollen, dass es für ihn - so gesehen - kaum noch zuzsätzliche zielführende Arbeitsmöglichkeiten gäbe resp. gab. Das Ding bot also fast null Lücken, wo hinein er seine Fantasie- und Weiterführungsdopings hätte injizieren können - gänzlich andere Voraussetzungen lagen freilich anno dazumal bei Wagners Ring vor, dessen epische Gebündelt- oder Ausgeufertheiten jede Menge Zucker für den Affen bargen; Castorfs psychologisierende Personenführungen und visuelles Zuwürzen gingen da leichtens Hand in Hand - beim Totenhaus, das nicht mal einen roten Handlungsfaden aufweist, funktionierte das halt nicht; auch nicht trotz der versuchten Querverweise auf die Bösen Geister oder Suslowas Jahre der Nähe zu Dostojewski... 

Sowieso habe ich mich inzwischen an dem immergleichen farbrauschigen, highheelhaften und perückten Ausstattungsgebaren von Kostümbildnerin Adriana Braga Peretzki irgendwie satt gesehen. Auch ihr ausschweifendes Federviehzeug (für den Adler von Evgeniya Sotnikova) war schon derart oft in andern Castorf-Inszenierungen zu sehen, dass ich meine, dass sie sich demnächst vielleicht auch mal was Anderes einfallen lassen könnte. 

Den als Sträflingslager mit Jurassic Park-Umzäunung, als Theater im Theater, als Behausungen oder als Videoleinwand zu gebrauchenden allfunktionalen Einheits-Bühnenbau erdachte Aleksandar Denić; für die Live-Abfilmungen waren, wie stets, Andreas Deinert und Jens Crull zuständig; den Karnickelstall mit Lebendbeispielen empfand wohl nicht nur ich als putziglich.'' schreibt Andre Sokolowski am 28. Mai 2018 auf KULTURA-EXTRA
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