3.2/5
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Im dunklen Zwischenreich
  · 01.11.15
Vekemans und Kimmig setzen dieser Überlieferung eine spannende Neu-Interpretation entgegen: Susanne Wolffs Ismene krabbelt nach dreitausend Jahren, die sie in der Schattenwelt des Vergessens im Zwischenreich zwischen Toten und Lebenden eingesperrt war, aus ihrem Sarg auf den Laufsteg, der bisher immer nur Antigone vorbehalten war. In einem an die maoistische Einheitskluft erinnernden Schlabber-Look trägt die Schauspielerin einen fulminanten einstündigen Monolog vor, der nicht ganz so im Schnellfeuer-Modus abgefeuert wird bei Steven Scharfs Judas, aber ebenfalls hohe Konzentration voraussetzt. Eine tiefere, altphilologische Kenntnis der Figuren aus der griechischen Mythologie ist sehr empfehlenswert, um die vielen Namen, die Ismene in dieser wütenden Abrechnung herausschleudert, richtig einordnen und die Anspielungen verstehen zu können. Eine Stück-Einführung durch die Dramaturgen wäre an diesem Abend besonders hilfreich.
Ismene, Schwester von ist eine der stärkeren Inszenierungen, die derzeit am Deutschen Theater Berlin zu erleben sind: dies liegt neben dem hochinteressanten Gedankenexperimernt der Text-Vorlage vor allem an der schauspielerischen Leistung von Susanne Wolff. Weiterlesen
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