Kritik zuSemele
3.4/5
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Kosky ist Kosky
  · 14.05.18
''Dass die Sänger vom Haus kommen und keine Spezialisten sind, war öfters mal ein Problem der Händel-Aufführungen an der Komischen Oper (wie kürzlich bei "Giulio Cesare"). Da mittlerweile meist in der Originalsprache, hier also auf Englisch gesungen wird, sind die Besetzungen aber international konkurrenzfähiger geworden. Das sängerische Niveau dieser "Semele" ist damit höher als bei den meisten Händel-Vorgängern am Haus. Nicht nur in Gestalt von Nicole Chevalier in der Titelrolle, die sich am Premierenabend als stimmlos, geplagt von einem Virus, ansagen lassen musste, um anschließend für ihr Leben zu singen und entsprechend gefeiert zu werden. Handverlesen auch: Katarina Bradić als Ino, Ezgi Kutlu als zickige Ehemama Juno und Allan Clayton als Jupiter, welcher mit langen Locken aussieht wie der Vater der Kelly-Family. (Der Regisseur hat Humor.)

Dirigent Konrad Junghänel kennt das Orchester, hat eigene Instrumentalisten mitgebracht und erreicht ein schlieriges, strähniges, nasses Klangbild. Wozu der nicht zu gerade singende Chor gut passt. Wenn schon mit einem traditionellen Orchester, denn schon mit einem traditionellen Orchester; das indes immer einen Schritt über sich hinaus tut. Mir hat das gut gefallen.

Ob dieses Oratorium überhaupt auf die Bühne gehört, wird von der Inszenierung nicht zwingend beantwortet. Die schönsten Arien sind die im Schneckentempo. Nirgendwo sonst hat Händel so viele, herrlich laaangsame Stücke komponiert. Die wirken aber besser, wenn man sie nicht ständig mit Handlungsaktionismus untermalt. So dachte ich im Grunde: Naja ... Im Schnitt der Premieren der letzten Monate ist das aber immer noch ein gutes Ergebnis. Kosky ist Kosky. Glück gehabt.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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