2.5/5
Bewertungen: 8
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Von Menschen, Gutmenschen und Göttern
  · 13.05.18
''Die jungen Darsteller – allen voran Laura Balzer in der zentralen Titelrolle der Shen Te - verkörperten auf der Studiobühne einen Geist der Offenheit und Unbedingtheit in ihrem Tun. Die für das Drama komponierten kurzen Songs von Paul Dessau wurden rhythmisch in Punk-Musik übertragen. Arg aktionistisch gingen die Darsteller auch während der musikalischen Performances kraftvoll an ihre Grenzen. Insbesondere Mayla Häuser, Lea Ostrovskiy und Tiffany Köberich setzten als gelangweilte und desinteressierte Götter Akzente und überzeugten auch in anderen kleineren Rollen. Jan Bülow spielte den Zukünftigen Shen Tes ekelhaft selbstsüchtig mit grausamer Härte. Jan-Eric Meier übertrieb mimisch-gestisch etwas mit seiner zugewandten Darstellung des großzügigen Mäzens und Förderers Shen Tes. In Erinnerung blieb auch Lukas Walcher als Wasserverkäufer und Erzähler, der die Regieanweisungen sprach. 

Das Bühnenbild von Céline Demars zeigte stylish die Kühlschrankreihe von Shen Tes Ladenkiosk, und später wurde hier anhand Berliner Kindl-Bierkisten die unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Shen Tes Cousin Shui Ta anhand einer industriellen Produktionsserie vorgeführt. Peter Kleinert traute sich (ähnlich wie Thomas Dannemann mit seiner 2011 am Staatstheater Stuttgart dargebotenen Neuinszenierung dieses Stückes) neue Deutungen von Brechts Werk herauszufordern. Dannemann ließ seiner Zeit den Großteil der Schauspieler in hautengen Lackfetischkostümen auftreten. Ideen und Meinungen bekamen somit einen fetischmäßigen Charakter, wurden beliebig und austauschbar. Dies erschien nicht banal, sondern spiegelte die Geisteshaltung unserer Zeit wider. Dagegen mutete Moritz Sostmanns Inszenierung des Dramas von 2013 am Schauspiel Köln mit dem Einsatz von Handpuppen als die Handlung zu sehr verniedlichend an. Bei der Vorführung an der Berliner Schaubühne blieb insbesondere die jugendliche Frische in Erinnerung, mit der die Figuren die Offenheit der zentralen Grundsatzfragen Brechts effektvoll verkörpern.'' schreibt Ansgar Skoda am 14. Mai 2018 auf KULTURA-EXTRA
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