Kritik zuFaust
4.2/5
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Assoziationsgewitter & Macho-Allüren
  · 07.05.18
''Faust als Landnehmer zu interpretieren und Gretchen als aufreizende Frau, ist zwar durchaus nachvollziehbar und gewinnt dem Drama neue Aspekte ab. Doch die Verschränkung mit dem Algerienkrieg und Emile Zola ist völlig beliebig. Genau so gut hätte Castorf auf den Syrienkrieg oder Vietnam verweisen können. Eine historisch oder politisch stringente Auseinandersetzung ist hier nicht ablesbar – Castorf hat viel mehr, wie so oft, persönliche Lesefrüchte eingebaut, die alles andere als zwingend sind. Dieses Assoziationsgewitter bricht herein, ohne, dass es intellektuell überzeugen kann und sorgt für einen ewigen Leerlauf mit schwachen Fremdtexten. Drei Stunden hätte man großzügig kürzen dürfen und den Abend auf seine stärksten Szenen komprimieren: jene aus dem Faust-Mythos.

Generell kann einen das Frauenbild, das Castorf seit Jahrzehnten ausstellt, mehr und mehr befremden. Fast alle Spielerinnen müssen mit nackten Brüsten im Nuttenfummel über die Bühne staksen, stundenlang. Die Inszenierung gibt inhaltliche Gründe vor: Faust ist schließlich der lüsterne Mann, Nana eine Kurtisane. Doch die Art, wie sich Castorf daran ergötzt, ohne Not reihenweise nackte, wippende Brüste vorzuführen, ist schlicht unangenehm. Castorf kennt nur zwei Kategorien von Frauen: die Heilige und die Hure.

Wie ein Theaterbetrieb, der bei jedem politisch nicht ganz korrekten Wort, das auf der Bühne fällt, aufschreit, ständig "Diversity!" und "Gendergerechtigkeit!" einfordert, nach wie vor diese Macho-Allüren durchwinkt, ist völlig schleierhaft.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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