Kritik zuAm Königsweg
2.9/5
Bewertungen: 9
Rezensionen: 3
Alle Kritiken ansehen.
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Draufherumtrumpeln
  · 30.04.18
''Geradezu paradox ist es, dass Am Königsweg von jemandem wie Trump handelt und kritisieren will, dass Kulturschaffende und die intellektuelle Mitte der Gesellschaft versagt hätten, wenn so jemand US-Präsident wird, während dann bei der Aufführung Zuschauer bei der noch so blödesten Zote lachen und bereitwillig in Satire-Show-Laune die Rolle des Claqueurs übernehmen. Dann funktioniert dies so wie Trumps Öffentlichkeitsarbeit, und das Publikum reagiert so wie seine Anhängerschaft, denen keiner seiner Tweets zu blöd und zu wirklichkeitsfern ist. Die Analogie geht noch weiter. Medienberichten zufolge verschanzen sich sowohl Trump als auch Jelinek gern in ihren Wohnungen: Jelinek in Wien und Trump in Washington, wo er sich – wie wir jetzt wissen – am frühen Abend vors TV legt, Hamburger isst, Cola trinkt, sich tierisch über irgendwas aufregt und wütende Tweets absondert. Jelinek schreibt zornige und manchmal fatalistischen Stücke und stellt sie ins Internet. Sie sind also vielleicht ebenso postfaktisch wie Trumps Äußerungen. Vielleicht schreibt sie sich ebenso in Rage, wie sich die von ihr vorgeführten ostdeutschen rechtspopulistischen Wutbürger in Rage reden. Das kann nicht anders als hilflos machen und dient somit vielleicht genau denen, die kritisiert werden. Jelinek ist keine Politikerin mit einer Machtfülle, wie sie der amerikanische Präsident hat, aber in der Art ihres Diskurses macht sie sich so zu einer Erfüllungsgehilfin des Destruktiven. Leider traut sich kaum jemand am Ende zu buhen, denn man könnte ja jemand sein, der den feinen Hinter(n)sinn und die intertextuellen Ebenen nicht kapiert hat. 

Am Ende verlässt Regisseur Kimmig immerhin mit zwei eingebauten Songs, die die Darsteller gemeinsam performen, eine verkopft-destruktive Haltung der Vorführung – der „Zug nach morgen“ aus der Muppet Show und Hans Dieter Hüschs „Abendlied“ – hinterlassen einen mit harmonischen Klängen nachdenklich. Zuletzt erzeugt Hüschs Abendlied, das anfangs noch als eine weitere Albernheit akzeptierend belacht wurde, eine melancholische Stimmung im Publikum – wie aus einer längst vergangenen Zeit, in der die Menschen noch etwas ernstgenommen haben. Es fällt schwer, die Provokationen der Vorführung noch ernst zu nehmen, während man Trumps Provokationen leider ernst nehmen muss.'' Ansgar Skoda am 30. April 2018 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?