3.0/5
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Erlesenes Star-Ensemble und verschenkte Chance
  · 14.04.18
Wie von Andrea Breth zu erwarten, setzt sie ganz auf den starken Text von Eugene O´Neill, der auch mehr als sechs Jahrzehnte nach der posthumen Veröffentlichung beim Lesen eine suggestive Kraft entfaltet. Über vier Stunden erleben wir ein Sprechtheater, das auf Entschleunigung setzt, wobei sich aber vor allem die letzte Stunde etwas zu sehr in die Länge zieht.

Der Reiz dieses Dramas liegt beim Lesen vor allem darin, dass O´Neill dramaturgisch geschickt erst nach und nach aufdeckt, aus welchen Gründen sich jedes Mitglied der Familie Tyrone in einen Kokon aus Lebenslügen eingesponnen hat. Bei O´Neill scheint in den ersten Szenen noch alles im Lot, eine Familie startet in einen Sommertag in einem Ferienhaus, die Abgründe werden erst nach und nach spürbar. Andrea Breth lässt den Figuren jedoch von Beginn an keine Hoffnung. Die erste Szene beginnt auf schwarzer Bühne, Corinna Kirchhoff tritt von Anfang an als Verzweifelte auf. Wie Reinhard Karger in seinem Interview auf Deutschlandfunk Kultur unmittelbar nach der Premiere herausarbeitete, verschenkt Breth mit dieser Setzung die Chance, dass sich die Figuren langsam entwickeln und der Text auch auf der Bühne seine ganze Wirkung entfalten kann.

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