3.8/5
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Inszenierung: bieder
  · 01.04.18
''Das Ganze spielt sich zumeist als konventionell deklamierendes Aufsagetheater auf einem schmalen Podest an der Rampe ab. Die Habseligkeiten des kleinen Tabakladens passen in eine Zigarrenkiste. Aus der Weite der Hinterbühne strahlt immer wieder blendend ein Scheinwerferspot ins Publikum. Ihr seid gemeint, soll uns das sagen. Wie kann ein Mensch gut sein und handeln in einer Welt der Ellenbogen, wo sich jeder selbst der Nächste ist und die Liebe zur Ware gemacht wird? Das ist das Dilemma der She Te, die sich einen bösen Vetter Shui Ta hinzu erfindet. Betty Freudenberg wechselt dazu Kleid gegen Hut und viel zu großen Anzug. Was einzig gut herausgearbeitet ist: Shen Te kann in einer Welt der Männer nur als Mann bestehen. In einer stummen Szene bietet sich die Witwe Shin dem vermeintlichen Vetter an und wischt dann den Boden mit ihrem Kleid. Der Macho Sun schüttelt die Silberdollar aus dem Dekolleté der juchzenden Mi Tzü. Später, wenn Shin Te als Shui Ta nach dem Verkauf der Opiumsäcke der Verwandtschaft als Tabakfabrikant wie die Made im Speck auf der Schräge hockt, lässt sie den drogenabhängigen Su am langen Arm verhungern. 

Dann wird wieder sentimentales Rührstück gespielt, wenn Betty Freudenberg als schwangere Shen Te ins Publikum barmt: „Wie behandelt ihr euresgleichen? Habt ihr keine Barmherzigkeit mit der Frucht eures Leibes?“ Auch hier kommt es zum abschließenden Göttergericht über den Vetter Shui Ta an dessen Ende Betty Freudenberg wie in Geburtswehen die bekannten Worte vom Finden eines guten Schlusses („Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“) herauspresst. Das Programmheft spricht von eingreifendem Denken bei Brecht. Auf der Bühne gibt es dagegen ein nach Empathie heischendes Einfühlungsdrama par excellence. Zeichenhafter aber biederer Stadttheaterkitsch, der Brechts Parabel gehörig verwässert. Das hat man wirklich selten so hilf- und einfallslos gesehen.'' spielt Stefan Bock am 1. April 2018 auf KULTURA-EXTRA
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