Kritik zuBlaubart
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Ein neuer Blaubart an der KOB
  · 29.03.18
''Offenbachs Blaubart war von Anfang an ein Stück der Unterhaltungsindustrie. Und gute Unterhaltung ist gleich gute Komik. Wie kein anderer steht Karl Kraus dafür, der Offenbachs Stück zu einer Renaissance verholfen hat. Thema der Oper ist die Polygamie und die Bigotterie. Der Sexualtrieb ist der Antrieb der Menschheit, und so ist die Welt nur Abbild des durchsexualisierten Handelns. Offenbachs vielschichtige Musik lebt sich aus an den Spielarten der Sexualität. Das Orchester der Komischen Oper unter Stefan Soltész weiß alle Mittel der Partitur zu bedienen, minimalste Wechsel schaffen konträre Assoziationsräume. Gerade noch wirbt Blaubart (kongenial Wolfgang Aiblinger-Sperrhacke!) um eine neue Jungfrau, da wird er ihrer auch schon überdrüssig und lässt sie beseitigen. Das Bühnenbild von Christof Hetzer nimmt die farbigen und wollüstigen Vorlagen auf, eine vielfarbige plüschige Phantasiewelt steht da heute. Auch die Kostüme von Esther Bialas sind ganz auf Unterhaltung aus, farbig und frivol – Blaubarts Schoß ziert ein samtiger pen*s. 

Nun muss man schon ein gehöriges Maß an Lust für Operette mitbringen, um sich auf diese Barocksatire einlassen zu können. Das ist ein gutes Stück Arbeit - fast nur was für Freaks. Hinzu kommen Zitate und Referenzen an die große Felsenstein-Inszenierung. Ohne diesen Hintergrund sind die Lesbarkeit und damit auch der Genuss der Inszenierung schwierig. Beim normalen Publikum bleibt immerhin der Respekt für diese aufwendige phantasievolle Arbeit - und so respektvoll fällt auch der Applaus am Ende aus.'' schreibt Steffen Kühn am 24. März 2018 auf KULTURA-EXTRA
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