Kritik zuTigermilch
4.0/5
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1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
die jungen wilden verlieren sich und mich
  · 23.03.18
tigermilch – milch, mariacron, maracujasaft. die berliner autorin stefanie de velasco (39) benannte ihren ersten roman nach diesem triple-m teenie-cocktail und macht die tigermilch zum neugier zapfenden branding. wie verdichtet man 300 seiten roman auf 100 minuten theaterkunst? in der box des deutschen theaters besetzen antonie, saron, philipp, emil, rio, laura, mohammad und anik die intensiven rollen. teenager spielen teenager. antonie ist nini und fest verankert im vollen text und quirligen spiel. mit ruhe und kraft trägt sie durch die schnelle story um einen sommer voller abenteuerlust. exotin saron ist die beste freunde jamelaah, unverkrampft, natürlich, ein bisschen frech, wildgelockt. drumherum die halbwüchsige crew, jeder ein eigener charakter der losen gang. wojtek klemm (45) hat die kniffelige regie übernommen und streut textlose discosounds zwischen die textflut, magnetisch. der roman zitiert sich bei ihm aus monologen, die schauspieler wenden sich stets an die zuschauer um mit herz und schmerz ihre gedankenwelt loszulassen. und das wird in 100 minuten zu einer regie-statik, die anstrengt. wojtek gelingt es nicht, die rollen miteinander zu verbinden. mal gelassen sein, nachdenklich, verloren ohne tempo. ja, teenager sind laut, wütend, bockig. und so dreht das ensemble auf. wirft sich in velascos vorlage hinein und gerät unter künstlichen druck. im sommerbad beobachtet man mit kleinen überheblichkeiten die welt um sich und kommentiert spöttisch. auch hier kein austausch, kein fühlbares miteinander. wenn nini und jamelaah sich frech prostituieren um endlich keine jungfrauen mehr zu sein und mohammad neben seiner rolle als tarik den freier gibt, verliert sich der ernst der situation in spielerei. dass jasna stirbt, passiert plötzlich, das finale versandet in seiner dramatik. die jungen wilden haben gerockt, man kann sie nur bewundern für ihre leidenschaft auf der bühne stehen zu wollen, sich die texte anzueignen und der geschichte hingeben zu wollen. doch die inszenierung schwankt zwischen schablonenhaftigkeit, überdrehtheit und flüchtigkeit. man will beim zuhören und zusehen zugreifen, aber kann nur folgen statt wirklich fühlen. boxengasse.
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