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Ungewohnte Töne am Gorki
  · 25.01.16
Der Regisseur diskutierte in einem Programmheft-Interview mit dem Soziologen Wolfgang Engler darüber, warum er sich gegen eine Aktualisierung des Stoffes entschieden hat: Während man zu Pinnebergs Zeiten noch von einer recht homogenen „Arbeiterklasse“ ausgehen konnte, ist die heutige Situation wesentlich ausdifferenzierter: „Es gibt die Facharbeiter, Leiharbeiter, Zeitarbeiter, die in Werkverträgen Beschäftigten, die Illegalen, die gar keinen Vertrag haben, die Stamm- und Randbelegschaften! Je mehr einzelne Kategorien es gibt, umso mehr verliert sich auch der Zusammenhang untereinander. Im Bewusstsein der Beteiligten lebt eher der Differenz: ich bin der und nicht der! Ich habe noch ein paar Vorteile im Bezug auf die Anderen, die noch kommen!“

Deshalb ist die Entscheidung, nicht noch stärker aktuelle Bezüge auf das Hier und Jetzt herauszupräpieren, durchaus schlüssig. Mit „Kleiner Mann – was nun?“ bietet das Gorki einen ungewohnten Farbtupfer in seinem Repertoire, an dem wenig auszusetzen ist. Wenn da nicht der Zigarren- und Zigarettenqualm wäre, dem nicht nur das Publikum, sondern auch die schwangere Hauptdarstellerin so penetrant wie lange nicht mehr ausgesetzt ist. Ein Rückfall in die stark verqualmten Zeiten des Vorgänger-Intendanten Armin Petras am Gorki.

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