2.3/5
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Esoterisches Kalenderblatt
  · 15.02.18
''Duncan Macmillan will empathisch mit den Suchtkranken sein und zeigen, wie man es aus der Hölle herausschaffen kann. Sein Stück wird dabei zur sozialdidaktischen Lehrstunde. Wenn Sätze fallen wie "Das Schwierigste ist, sich selbst zu lieben", klingt das zu sehr nach esoterischem Kalenderblatt. Im deutschen Theater, das mehr von inhaltlichen und ästhetischen Brüchen geprägt ist als das angelsächsische, tut man sich generell schwer mit solchen unverstellten, moralisierenden Geschichten. Bei aller Sehnsucht nach großen Stoffen: Die Figuren stammen hier zu deutlich aus dem Psychiatrie-Lexikon.

Darüberhinaus ist fraglich, wer die Zielgruppe dieses Abends sein soll. Im Programmheft sagt Macmillan, dass er die Probleme dieser Menschen mit mehr Würde und Genauigkeit beschreiben möchte, als das sonst der Fall sei. Bei der Uraufführung in London sei er sehr froh gewesen, die Leute aus der Suchtklinik erreicht zu haben, in der er recherchiert hat. Diese Leute sitzen allerdings nicht unbedingt im Berliner Ensemble.

Nicht, dass es nicht auch hier sicherlich den einen oder anderen Abhängigen gäbe, Macmillan beschreibt jedoch gerade nicht den Süchtigen in der Mitte der Gesellschaft, sondern den Junkie am Abgrund. Bei allen Rückfällen, Ausbrüchen und Psychosen verliert man irgendwann die emotionale Anbindung an diese kaputten Figuren in ihrem Klinikkosmos.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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