2.3/5
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Beschwerdemanagement statt Granteln
  · 10.01.18
In den 100 Minuten wird leider kaum gegrantelt. Waldorf und Statler, die beiden Opas auf dem Balkon der Muppet-Show, haben diese Kunst des schlecht gelaunten und bissige Seitenhiebe austeilenden Herumschimpfens recht gut drauf. Noch besser beherrschen es manche bayerische und österreichische „Originale“, die in ihrem jeweiligen Heimatdialekt über Gott und die Welt mosern und stänkern. Nichts davon ist in dieser Performance des Gießener Theaterkollektivs „FUX“ (Nele Stuhler und Falk Rößler) zu spüren.
Die kabarettistischen Texte beschränken sich darauf, dass ein Trio (Léonard Bertholet, Tino Kühn, Hannah Müller) Mecker-Mails vorträgt: der eine lässt seinen Frust über die Politik ab, die andere beschwert sich bei einer großen Supermarkt-Kette über die Verpackung des Bio-Obsts. Diesen Beschwerden fehlen die Zupitzung und Originalität. Jeder Wiener Profi-Grantler dürfte diese mittelhessischen Grantel-Versuche mit einem „Ah, geh bitte“ abtun. Kein Wunder, dass diese Laber-Frust-Mails mit genauso nichtssagenden, vorgestanzten Textbausteinen abgewimmelt werden und die Entscheidungsträger sie gar nicht zu Gesicht bekommen. Die Performance landet also mehr beim Scheitern der Kommunikation zwischen Verbraucher/Wähler und Beschwerdemanagement/Bürgerservice als beim wesentlich spannenderen Thema des echten Grantelns.
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