2.7/5
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Reise ins Theatermuseum in zwei Versionen
  · 01.01.18
Übertrieben steif, in überdeutlicher Artikulation und bis zur Zombiehaftigkeit leblos sprechen die Schauspieler ihre Texte. War das Theater vor einem Jahrhundert tatsächlich so furchtbar statisch, zäh und langweilig? Hoffentlich nicht.
In ihrem Eifer, in den historischen Stoff einzusteigen, verlieren sich Rüping und sein Team in einem Museum. Das Theater kommt viel zu kurz. Das gilt leider auch für die späteren Akte des Dramas: der Abend zerfasert zur müden Performance.
Der Clou, den sich Rüping für den Schluss zwei Versionen ausgedacht hat, erschließt sich nur denen, die ihren Brecht kennen oder das Programmheft studieren. Abwechselnd lässt er den Abend entweder originalgetreu wie beim jungen Brecht enden oder stellt das Ende einfach auf den Kopf. Im ersten Fall verlassen Kragler (Christian Löber) und seine Anna (Wiebke Mollenhauer als Gast vom Deutschen Theater Berlin, wo sie regelmäßig mit Regisseur Rüping arbeitet) Hand in Hand die Bühne, nachdem sie dem Publikum ein „Glotzt nicht so romantisch!“ zugerufen haben. Dieser Satz prangt wie damals auch jetzt auf Plakaten an allen Ausgängen. In typischer Rüping-Manier wird das Happy End jedoch mit einem Mix aus Smetanas „Moldau“ und einem „House of the rising sun“-Solo von Damian Rebgetz ironisiert. Die Bühnenarbeiter schreddern parallel schon mal eifrig die letzten verbliebenen Papp-Kulissen des Re-Enactments.
An jedem zweiten Abend erlebt das Publikum Rüpings alternativen Schluss. So wie man es von Brechts späteren Lehrstücken gewohnt ist, entscheidet sich Kragler bei diesen Vorstellungen gegen seine Braut und für die Revolution. Mit Anfang 20 ließ der junge B.B. sein Frühwerk allerdings noch ganz romantisch enden und seinen Protagonisten für den Rückzug ins Privatleben und die bürgerliche Ehe votieren. Die glasklare Entschiedenheit, mit der Brecht-Figuren aus seinen berühmteren, später erschienenen Stücken für die Arbeiterklasse und die Revolution und gegen Ausbeutung und bourgeoise Kompromisse kämpfen, fehlt dem Kragler aus „Trommeln in der Nacht“ völlig. Dass Rüping uns diese kaum bekannten Facetten aus Brechts Biographie und Werk näher bringt, ist der interessanteste Ertrag seiner ansonsten recht lauen und zu verqualmten Reise ins Theatermuseum.
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