2.5/5
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Seit 1943 begeistert „Der kleine Prinz“ Kinder und Erwachsene und lehrt sie, was wirklich wichtig im Leben ist: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!“ (Antoine de Saint-Exupéry) 
Ich habe die Erzählung bereits mehrere Male auf Deutsch und Französisch gelesen und kann mich ihr noch immer nicht entziehen. So habe ich mich sehr gefreut, dass die Drehbühne Berlin dieses literarische Meisterwerk unter der Regie von Lorenz Christian Köhler wieder auf die Bühne des 
Admiralspalastes (Studio) brachte. Die Tatsache, dass 2 EUR jeder verkauften Karte seit der Premiere an das Kinderhilfswerk UNICEF geht, bestärkte mich weiterhin in dem Entschluss, den kleinen Prinzen am Freitag, den 22. Dezember 2017, als Bühnenfassung zu erleben. 

Doch zuerst fasse ich an dieser Stelle die Handlung der Erzählung zusammen: 
Ein Pilot muss in der Sahara wegen technischer Probleme mit seinem Flugzeug notlanden.. 
Am Morgen wird er von einem kleinen Kerl geweckt, der von einem winzigen Planeten kommt und vor seiner Rose floh. Er hatte sich in sie verliebt, doch wollte er sich nicht mehr mit ihren eitlen und seltsamen Gefühlen befassen. So begab er sich auf eine Reise zu sechs anderen Planeten, um Erfahrungen zu sammeln und neue Freunde zu finden. Doch auf diesen Planeten begegnete der kleine Prinz nur merkwürdigen Charakteren: 
Ein König will über das ganze Universum herrschen und glaubt, dass ihm jeder gehorchen müsse. Ein eitler Mann will als der wundervollste Mensch auf der Welt von allen Menschen bewundert werden. Ein Säufer trinkt vor Scham und will damit vergessen, dass er trinkt. Ein Geschäftsmann glaubt, die Sterne zu besitzen und lebt besessen in seiner Zahlenwelt. Ein Laternenanzünder folgt einer irrsinnig gewordenen Arbeitsanweisung und ein Geograph reichert Wissen mit fragwürdigen Methoden an. 
So gelangt der kleine Prinz auf Empfehlung schließlich auf die Erde, die voller solcher Typen ist. 
Auf der Erde begegnet der kleine Prinz zunächst der Schlange, die dem Prinzen ihre Hilfe anbietet. Zudem entdeckt er Tausende von Rosen, die seiner Rose gleichen. Die Erkenntnis, dass seine Rose ihn über ihre Einzigartigkeit belogen hat, stürzt ihn in ein Gefühlschaos. Da erscheint ein wilder Fuchs, der sich vom kleinen Prinzen zähmen lässt, weil auch er sich einsam fühlt und einen Freund benötigt. So weiht der Fuchs seinen neuen Gefährten in das Geheimnis von Freundschaft und Liebe ein. Das Wesentliche ist unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen gut, lehrt der Fuchs. Der kleine Prinz lernt allmählich die Einzigartigkeit der Dinge zu schätzen und versteht: Seine Rose ist doch einzigartig, weil er sich auf seinem Planeten hingebungsvoll um sie gekümmert hatte. Die anderen Rosen haben für ihn keine Bedeutung. Er entscheidet sich also, auf seinen Planeten zu seiner geliebten Rose zurückzukehren. 

Trotz der Einfachheit der Erzählung auf den ersten Blick erscheint der Inhalt doch sehr komplex, wenn es um das Verständnis der moralischen Aussagen und der Umsetzung auf der Bühne geht. Doch dies wird auf der Bühne perfekt umgesetzt, indem man das Theaterstück mit dem Puppenspiel und dem Medium Film (Leinwand) verbindet. Unterstützt wird das Ganze von einer zweiköpfigen Live-Band, die arabisch-orientalische Livemusik spielt. 

Der kleine Prinz wird von der Berliner Schauspielerin Nanda Ben Chaabane bzw. Ina Gercke gespielt. Von der Bühne aus, die die Wüste Sahara und damit die Erde darstellen soll, begegnet der kleine Prinz den anderen Planetenbewohnern, die auf einer großen Leinwand erscheinen. 
Die auf der großen Leinwand erscheinenden Planetenbewohner werden von sehr namhaften deutschsprachigen Film- und Theaterschauspieler gespielt: Bruno Ganz (Geograf), Horst Krause (Säufer), Florian Lukas (Laternenanzünder), Dieter Mann (Geschäftsmann), Michael Mendl (König) und Armin Rohde (der eitle Mann). Die Rolle des Piloten spielen Lorenz Chr. Köhler, bzw. Matthias Zeeb. 
Pierre Filliez und Jessica Nicholls begeisterten mit ihrer Darstellung der Ganzkörper-Puppen (die Schlange, der Fuchs und die dazu erfundenen Figuren Ratte und die Aasgeier) an diesem Abend vor allem die kleinen Zuschauer im Publikum. 

Das Theaterstück schafft es sehr gut, die moralischen Aussagen der Erzählung auf die Bühne zu bringen: Die Erwachsenen verlieren im Laufe ihres Lebens die Fantasie und vergessen durch ihre Arbeit und die Hektik des Alltags, was wirklich im Leben zählt: Liebe und Freundschaft. Dies macht sie einsam und verbittert, da sie nur materiellen Dingen nacheifern. 

Mein Fazit: Dieses Theaterstück eignet sich sehr gut, um kleine und große Kinder an die Besonderheit der Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry heranzuführen, denn durch den Einsatz des Puppenspiels, das an dem Abend viele Kinder zum Lachen brachte, wirkt das Theaterstück nie zu ernst, obwohl es wichtige Themen behandelt. Bis zum 14. Januar 2017 könnt Ihr noch „Der kleine Prinz“ als Theaterstück auf der Bühne des Admiralspalastes erleben. 

© E. Günther ("Mein Event-Tipp")
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