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So klang Berlin
  · 19.12.17
''Nur konzertant inszeniert, und trotzdem oder gerade deshalb gelingt in der Komischen Oper Berlin wieder ein spritziger Operettenabend. Nach fünf Emmerich-Kálmán-Jahren entdeckt Intendant Barrie Kosky den jüdisch-ungarischen Operettenmeister Paul Abraham. Der Komponist liebte das elegante Leben in Grandhotels, das er selbst immer wieder genoss und komponierte für diese Operette wunderschöne Melodien mit Evergreen-Qualität. (...)

Glanznummern in jeder Beziehung sind die Auftritte von Multitalent Sarah Bowden als Tochter Marylou. Witzig sexy gestylt glitzert und schillert sie (Kostüme: Katrin Kath). Mitreißend fegt sie steppend über die Bühne, röhrt ihre Songs in bester Musical-Qualität, ein echtes Show-Girl. Mit unheimlichem Drive und kessen Charme peppt sie das Genre Operette auf. Witzig charmant brilliert Tom Erik Lie in seiner Transvestitenrolle als bezaubernd tütelige Gräfin und etwas tuntiger Palace-Besitzer. Talya Lieberman gibt eine ganz elegante und sehr schlaue Infantin ab, die auf Kommando standesgemäß in Ohnmacht fällt. Wunderbar empfindsam und berührend interpretiert sie Abrahams Melodien. Ihr feines Pianissimo ist ein wunderbarer Kontrast zu den Musicalsongs und jazzigen Lieder des Lindenquartetts, die sich auch schauspielerisch bestens einfügen. Als Verlobter Prinz Andreas Stephan wertet Johannes Dunz seine Nebenrolle als Running Gag à la Dinner for One auf. Durchlaucht und schwungvoll die Frackschöße werfend ammüsiert er sein Publikum. Marylou macht auch dem zugeknöpften Prinzen dann doch noch einen begeisterten, wenn auch herrlich linkischen Tänzer. Klar, dass die Paare sich neu formieren zu einem fröhlichem „Happy—Happy-End“. 

Das ist nicht tiefgründig, nur reine Unterhaltung mit dem Ziel zu zeigen, dass Operette mehr ist als die Produktionen der 1960er Jahre.'' schreibt Michaela Schabel am 19. Dezember 2017 auf KULTURA-EXTRA
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