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Umstrittene Waterboarding-Szene
  · 23.10.17
Um diesen Schauspieler beneiden das Residenztheater sicher viele Häuser: Franz Pätzold schreit und tobt mit einer unglaublichen Präsenz über die Bühne, greift spontan Einwürfe aus dem Publikum auf, tigert vor der ersten Reihe herum und rückt den Zuschauern ganz nah auf die Pelle. Pätzold geht an diesem Abend an seine Grenzen: in einer langen, schwer auszuhaltenden Szene lässt er sich von seinen Mitspielern fesseln und im Stil des Waterboarding quälen. Im anschließenden Publikumsgespräch betonte Pätzold, dass diese Szene seine Idee gewesen sei, Regisseur Oliver Frljić hatte eine harmlosere Variante im Sinn. 

Die Stückentwicklung „Balkan macht frei“ ist ganz auf ihren Hauptdarsteller zugeschnitten. Ursprünglich wollte sich der kroatische Regisseur in der bayerischen Landeshauptstadt mit den Ressentiments gegen Migranten vom Balkan befassen, die von der CSU im Winter 2014 geschürt wurden. Als die Proben begannen, weitete sich der Fokus. Heraus kam ein assoziatives Gewitter, das sich im Marstall des Münchner Residenztheaters entlädt. 

Die Anfangsszenen sind räumlich und zeitlich noch klar zu verorten: Pätzold spielt das Alter ego des Regisseurs Frljić, der drei aalglatten Typen gegenübersitzt, die ihn von oben herab behandeln und gönnerhaft als Balkan-Exoten und bunten Farbtupfer für ihr Theater engagieren wollen. Weiterlesen
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