Kritik zuDickicht
2.8/5
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Straßenschlachten am Berliner Gorki
  · 19.10.17
Regisseur Sebastian Baumgarten und Top-Ensemble lassen mit DICKICHT – ein Stück nach Brecht – das Gesindel von Chicagos-Straßen auf der Bühne des Maxim Gorki Theater kämpfen.
Als der Dramatiker Bertolt Brecht im Jahre 1921 sein Frühwerk >>Im Dickicht<< verfasst, ist er noch immer von der Atmosphäre der Berliner Großstadt, die er 1920 bei einem Ausflug kennen gelernt hat, beeindruckt. Der Mensch entfremdet sich von der Arbeit und von den Menschen; natürliche Beziehungen zerfallen, wie die (bürgerliche) Familie. Die Individuen vereinzeln sich und verlieren sich in untergründigen Milieus, um sich ihrer Selbst bewusst zu werden. Der Mensch verliert an Emotionalität und wird kalt. Der Regisseur Sebastian Baumgarten hat mit dieser Kälte experimentiert, in dem er zwei Ebenen erschaffen hat: die Leinwand und die Bühne. So erscheinen die Charaktere nicht fassbar, weder auf der Leinwand noch auf der Bühne. Die Figuren verfremden sich, in dem sie immer wieder aus der Leinwand auf die Bühne heraustreten. Baumgartens Verfremdung hat dialektische Elemente, in dem er das Bild der Schauspieler von der Leinwand mit der Stimme der Schauspieler auf der Bühne als Einheit von Stimme und Bild synthetisiert, das heißt die Schauspieler treten als vollständige Charaktere auf der Bühne auf. Der Schauspieler ist nun in der Einheit seiner Rolle, aber der Zuschauer kann sich durch die Verschiebungen der Ebenen nicht in diese Rolle einfühlen, sondern es bleibt beim Betrachten und Wahrnehmen der Entfremdung und des Zerfalls. ... Weiterlesen
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