Kritik zuKriegerin
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Wütende Raps auf Baustellen-Parcours im Grips Theater
  · 12.01.16
Die Intensität des zurecht vielfach ausgezeichneten Films „Kriegerin“, zu erreichen, ist ein schwieriges Unterfangen. David Wnendt ließ 2011 bei seinem Regiedebüt mit rauer Sprache, grauen, ungeschönten Bildern und den beiden starken Hauptdarstellerinnen Alina Levshin und Jella Haase aufhorchen.

Autorin Tina Müller und Regisseur Robert Neumann verlegen die Handlung in eine Baustellen-Landschaft im GRIPS Theater. Das Ensemble ist unter Hochdruck fast ständig in Aktion: in Parcours-Einlagen hangeln sie sich über die Bühne. Zu dröhnenden Beats werden Parties gefeiert und rassistische Parolen gegrölt. Auf Marisa (Alessa Kordeck) und Svenja (Maria Perlick) übt die Neonazi-Clique eine ungeheure Faszination aus, sie wollen unbedingt dazugehören.

In den stärksten Momenten wird die Orientierungslosigkeit und Wut der Mädchen, die in ihren Elternhäusern weder Halt noch Vorbilder finden und den rechten Rattenfängern, deutlich spürbar. Die jugendliche Zielgruppe (ab 14 Jahren) war vor allem von den Rap-Einlagen (Lorris Blazejewski) begeistert und feierte das Stück nach der zehnten Vorstellung.

In die Dialoge werden außerdem Parolen im Pegida-Stil über Deutschland als „Warmduscher-Verein“ und gegen „Multikulti-Schönredner“ eingeflochten: eine provozierende Diskussionsgrundlage für die Workshops, die von der Theaterpädagogik des GRIPS Theaters in Kooperation mit „Gesicht zeigen!“ an Berliner Schulen angeboten werden.

Weniger gelungen als die dichte Atmosphäre ist jedoch die Konturierung der Figuren. Dies dürfte auch an der Regie-Entscheidung liegen, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ständig zwischen mehreren Rollen wechseln: eben noch Neonazi, im nächsten Moment Flüchtling. Dementsprechend ist die Wandlung der Hauptfigur von der militanten Nazibraut zu einer mitfühlenden Figur, die Rasul bei seiner weiteren Flucht nach Schweden hilft, nicht ganz nachvollziehbar. Weiterlesen
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