Kritik zuBambi
4.3/5
Bewertungen: 4
Rezensionen: 1
Alle Kritiken ansehen.
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Unverzichtbar
  · 06.05.17
Nun ist Bambi endlich auch nach Berlin gekommen. Vier Tage gastiert die Produktion des Vorstadttheaters Basel Anfang Mai im Pfefferberg Theater, seit 2013 spielt der lebendig gewordene Roman von Felix Salten auf den Bühnen europäischer Städte. 
Regisseur Matthias Grupp hat die Themen rund um das Erwachsenwerden und den Zyklus des Lebens in eine kurzweilige und geistreiche Inszenierung mit viel Humor verpackt, hier und da macht sie auch melancholisch.
Die Schauspielerin Gina Durler vom Vorstadttheater Basel und ihre beiden Kollegen Vlad Chiriac und Michael Schwager vom Hexenberg Ensemble setzen dem Ganzen durch ihr Spiel die Krone auf. Es ist großartig, wie sie den Themen um Freundschaft, Liebe und Verlust ein Gesicht geben, sie mit allen Sinnesäußerungen körperlich machen, in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen, eben echte Schauspielkunst präsentieren. Ihr Spiel berührt durchweg, ob Bambi von seiner Mutter beschützt wird, sich mit Halbstarken messen muss, die erste Liebe entdeckt oder die Nachbarin Frau Elster gern mal mitmischt, auch der Mensch nicht unerwähnt bleibt, dies alles im Wechsel der Jahreszeiten, es wird ja die gesamte Lebensgeschichte des äußerst liebenswerten Rehkitzes erzählt. Die übrigens nie kitschig daher kommt, dafür mit Tiefgang und viel Seele aufwartet. Philosophisch wird es, wenn zwei Laubblätter, die gerade noch so am Baum hängen, in einen Dialog darüber treten, wie es wohl sein wird, wenn auch sie abfallen werden. „Ob man noch etwas fühlt?“, fragt das eine Blatt. „Es ist noch keiner zurückgekommen, um es zu erzählen“, antwortet das andere. Zuweilen begleitet auch Musik das Geschehen, klassisch und modern, und ergänzt von köstlichen Tanzeinlagen. Auch das Bühnenbild soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, auch darin liegt hier und da viel Komisches.
Die Inszenierung richtet sich an Kinder und Erwachsene gleichermaßen, ohne dass eine der beiden Altersgruppen einen Kompromiss eingehen müsste. Wer das Stück gesehen hat, wünscht es sich seinen Freunden und Anverwandten und vielleicht auch den anderen nicht so Liebgewonnenen, denen könnte es nämlich ihr Herz öffnen ...
War die Kritik hilfreich?