Kritik zuWillkommen
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Erfolg auf der heiteren Linie
  · 05.06.17
Es greift mit leichter Hand hinein ins volle Menschenleben, das neue Stück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, uraufgeführt am 4. Februar dieses Jahres im Düsseldorfer Schauspielhaus, jetzt im Renaissance-Theater Berlin in der Regie von Torsten Fischer mit Geschick auf Berliner Örtlichkeiten und Befindlichkeiten umgesetzt. Thematisch wird hier ein ganzer Strauss von widerstreitenden Haltungen und Empfindungen präsentiert: Einblicke in den Miniaturkosmos einer Wohngemeinschaft, emphatische Weltverbesserung und verkrusteter Rassismus, Offenheit und Angst, rücksichtsvolle Schonung und heimliche Feigheit. Das alles geschieht erfreulicherweise nicht durch trockenes Dozieren mit erhobenem Zeigefinger, sondern in dramaturgisch abwechslungsreicher Szenenfolge, deren federnde Spannung während des ganzen Abends erhalten bleibt. Die erfolgsgewohnte Routine des Autorenduos erringt einmal mehr den Sieg über alle denkbaren Sperrigkeiten der Materie. 

Das ist neben der feinfühlig komponierten Vorlage natürlich vor allem den hervorragend ausgewählten Darstellern zu danken. Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos bauen ihnen eine Bühne, die allen szenischen Erfordernissen gerecht wird. Schon vor Beginn blickt der Zuschauer durch die Segmente einer später beiseite geschobenen Glaswand ins Speisezimmer einer dort tafelnden WG. Da ist Dozent Benny (Klaus Christian Schreiber), ein bißchen bi und eigentlich schwul, der seine Mitbewohner mit der Nachricht überrascht, daß er einen Ruf nach New York erhalten habe, dem er für ein Jahr folgen wolle. Sein Zimmer möchte er, der als Helfer bei der Essensausgabe in einem Flüchtlingsheim das Elend der Isolation dieser Menschen gesehen hat, so lange syrischen Flüchtlingen überlassen. So jedenfalls sein Vorschlag, den er zur Diskussion stellt. Als erste begeistert sich seine Freundin Sophie ( Judith Rosmair) für diese Aussicht und tritt mit flammender Rede für die Integrationsübung ein. Andere sehen das wieder ganz anders : allen voran die eher konservative Doro (Imogen Kogge), deren Statement auch deutliche Vorbehalte erkennen lässt, die an Rassismus grenzen. 

Dann kommt Anna (Laura Kiehne) zu Wort, die ihre gesamte Korona mit der Neuigkeit überrascht, dass sie schwanger ist und den Vater des künftigen Kindes zunächst geheim hält. Schliesslich fügt sie aber noch hinzu, das sei nicht der agile junge Bank-Azubi Jonas (Benno Lehmann) mit dem Faible für Tischtennis, sondern ein Sozialarbeiter und Chef einer Neuköllner Fahrradwerkstatt, die als Beschäftigungsprojekt geführt wird. Sein Name sei Achmed- ein Türke ( Emre Aksizoglu), der Minuten später auch schon vor der Tür steht. Er sieht zwar aus, wie man sich einen Vertreter dieses Landes vorstellt, aber sein gewandtes Auftreten entspricht beileibe nicht den Klischees, die über radebrechende Ausländer im Schwange sind. Die restriktive Doro und den begeisterungsfähigen Jonas erobert er im Sturm, aber nun hat Sophie ihrerseits wieder verschiedene Bedenken. Als Sophie, die eigentliche Eigentümerin der ganzen Wohnung, dann noch ihren Vater (eingespielt: Jürgen Thormann) per Videoverbindung um Rat bittet, kommt von dort die wenig hilfreiche Aufforderung, endlich erwachsen zu werden und das ganze Beherbergungsvorhaben fallen zu lassen. Am Ende wird daraus mit dem schliesslich  erreichten Konsens aller Beteiligten die Absicht, das freiwerdende Zimmer als Gästezimmer zu nutzen und auf weitere WG-Mitglieder zu verzichten. 

Am Schluß sitzen Doro und Sophie in der erstaunlich stabilen Hängematte, die, von Kies umgeben, auf der Vorderbühne als Kuschelecke Platz gefunden hat, und ziehen das Resümee mit dem Satz „Et kütt, wie et kütt“, einem „alten syrischen Sprichwort“. 

Viel Beifall vom durchweg angenehm unterhaltenen Publikum. Der langanhaltende Applaus gilt sowohl den Akteuren wie dem Regieteam und steigert sich bis zu rhythmischem Händeklatschen. 

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