Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn

Bewertung und Kritik zu

ADAM'S PASSION
von Arvo Pärt und Robert Wilson
Regie: Robert Wilson
Premiere: 27. März 2018 
Konzerthaus Berlin

Zum Inhalt: Drei Jahre nach der Uraufführung in Tallinn kommt das gefeierte Gemeinschaftswerk von Arvo Pärt und Robert Wilson an den Gendarmenmarkt: Nach der Vertreibung aus dem Garten Eden ahnt Adam alle Katastrophen der Menschheit voraus und gibt sich selbst die Schuld. Zuletzt aber sucht er wieder die Liebe Gottes. Musikalische Bestandteile von „Adam’s Passion“ sind die Chorwerke „Adam’s Lament“ und „Miserere“, das Doppelkonzert für zwei Violinen „Tabula rasa“ sowie die neu komponierte „Sequentia“, die Robert Wilson gewidmet ist. Der Starregisseur fasst die Geschichte von Schöpfung und Zerstörung in hochsuggestive Bilder voller Symbolik. Er beschreibt die einzigartige Zusammenarbeit mit dem Komponisten: „Als ich die Musik von Arvo Pärt in den frühen 1980er Jahren zum ersten Mal hörte, fühlte ich mich sofort zu ihr hingezogen. Sie schuf einen geistigen Raum, den ich nie zuvor gekannt hatte – einen Raum ungeheurer Freiheit. ‚Adam’s Passion‘ kann man hören und sehen. Ich konstruiere eine Art Umgebung, die es dem Publikum hoffentlich erlaubt, die Musik besser zu hören. Es ist schwierig, Arvo Pärts Musik zu ‚inszenieren‘. Sie fordert zur Reflexion heraus; wenn wir das Theater verlassen, denken wir weiter darüber nach. Da ist es wichtig, als Regisseur oder Bühnenbildner offen zu bleiben. Ich schaffe einen Raum, der Gedanken anregt, aber nicht darauf besteht, dass das Publikum dasselbe denkt, was ich denke. So kann man den Abend jedes Mal, wenn man ihn erlebt, anders empfinden. Das einzig Konstante ist der Wandel. Was zählt, ist unsere Erfahrung des Augenblicks. Es fällt mir schwer, über Spirituelles zu sprechen. So vieles, was wir auf der Bühne sehen, ist äußerlich. Diese Musik steht in Verbindung zu etwas Tieferem. Man muss sie nicht illustrieren. Sie erschafft einen geistigen Raum, der Reflexion zulässt.“

Mit Lucinda Childsp, Michalis Theophanous, Endro Roosimäe, Erki Laur, Tatjana Kosmõnina, Triin Marts,

Musikalische Leitung: Tõnu Kaljuste
Musik: Arvo Pärt
Regie, Bühne, Lichtkonzept: Robert Wilson
Licht: A.j. Weissbard
Mitarbeit Regie: Tilman Hecker
Mitarbeit Bühne: Serge Von Arx
Kostüme: Carlos Soto
Dramaturg: Konrad Kuhn
Technische Leitung: Mauro Farina


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schön und wolkig
  · 30.03.18
''Der griechische Tänzer und Performer Michalis Theophanous, der den splitternackten Adam gibt, bündelt ganz unvermeidlich die geschätzteste und sinnlich-sinnstiftendste Aufmerksamkeit aller Aufmerksamkeiten auf sich; er muss bloß immer und in Zeitlupe vor und zurück gehen oder sich megalangsam drehen. Seine körperliche Schönheit ist von skulpturaler Unvergesslichkeit! 

Ein bisschen später tut sich ebenso die legendäre Tanz-Ikone Lucinda Childs - die von Bob ganz wichtigtuerisch als Frau gecastet wurde - armausstreckend und in gleicher Tempolage (wie ihr männigliches Gegenüber) hin und wieder sehen. 

Und noch weitere Gestalten machen sich im alttestamentarischen Zusammenhang szenisch bemerkbar. 

Alles das erfolgt quasi über den Wolken, denn dezent ausströmender Theaternebel scheint die Assoziation in diese Richtung irgendwie perfekt und glaubhaft zu bekräftigen. 

Bei den vier dargebotenen Musikstücken beeindruckten zum Beispiel Sayako Kusaka und Johannes Jahnel, die zwei Violin-Solisten von Tabula rasa, Pärt's genialem Doppelkonzert aus dem Jahre 1977.'' schreibt Andre Sokolowski am 30. März 2018 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
herr wilson, herr pärt und herr adam vergeistigen sich
  · 29.03.18
entzückte klassikwelt in der vor-osterzeit. das konzerthaus am gendarmenmarkt zeigt/e an vier tagen (26., 27., 28. und 29.3.2018) "adam's passion". ausverkauft, natürlich. Robert Wilson! arvo pärt! erstmalig, denn dieses musiktheater der beiden gab es bisher nur im mai 2015 in tallinn (estland) zu sehen, arvo pärts wohnsitz nach vielen jahren in berlin. Robert Wilson (76) traf bei einer audienz mit dem pabst (natürlich) auf den von ihm verehrten komponisten arvo pärt (82). ein texaner und ein este, ein theatermagier und ein komponist der neuzeit, der sakrale werke schöpft.
alles soll bitteschön fließen bei "adam's passion". im konzerthaus baute man mal eben um, ein mit dunklem stoff beschlagener laufsteg ragt bis in die mittleren parkett-reihen. das orchester und der chor platzieren sich weisungsgemäß im bühnenfrontalen rang. wer seitlich in den rängen sitzt, hat beides im blick. mit einer verträumten "sequentia", Robert Wilson gewidmet, beginnt die reise in der herren klang und bild. "adam's lament" von 2010 fügt sich an mit chor und streichern, gefolgt von "tabula rasa" von 1977. hier erklingt ein präpariertes klavier. herr pärt ergänzt den konzept-abend mit "miserere" von 1989. ein opulentes finale mit orgel, solisten und chor überwältigt ein wenig. schon die musik ist eine große kraft der inszenierung. was kann wilson hier noch meistern? der ästhet wählte einen ästhetischen splitternackten adam (michalis theophanous)
 aus, der mit den ersten klängen in zeitlupe und höchst konzentriert den laufsteg abschreitet, immer wieder, staunend, mimisch versunken. mit den händen greifend, sehnsüchtig, wohin, wonach? man ist dann doch etwas irritiert im parkett, immerhin trägt hier sonst niemand ein adamskostüm. trockener nebel steigt dezent herauf. wer nahe der bühne sitzt muss bronchiale attacken wegfächeln, sich verdrehen (für einen blick ins orchester im rang) und anatomisches zur kenntnis nehmen, ohne feigenblatt. adam bleibt der verlorene sohn, aus dem paradies gefallen und den schrecken der welt begreifend. regiedrehung: adam trägt nun einen (öl)zweig auf dem haupt! lucinda childs schwebt herein. die alte dame aus wilsons ensemble wirkt in bodenlangem schneeweiß und strenger miene wie ein kritischer gott. aber die engel scheinen nicht fern und zwei damen gleiten lächelnd herein. auch sie spreizen die arme steif von sich, ein wilson-detail. weitere figuren sind seinem kreativen geist entsprungen und tauchen auf der schattenverlorenen bühne auf (magisches dunkelblau). kinder mit pappgewehren zielen auf adam, ein kleines haus aus stangen schwebt, ein großes haus aus stangen steht, ein blätterloser schwarzer baum ragt umgedreht von der decke. und surrt zurück.
ein kleiner adam in hemd und hose sortiert weiße ziegelsteine und balanciert ebenso in zeitlupe einen auf dem kindskopf. kein zweig, kein stein fällt in diesen abend voller anbetung. "herr, gib mit den geist der demut und der liebe".
wilson hat sein konzept nicht kommentiert und so interpretiert jeder zuschauer andächtig vor sich hin, ab und zu fällt ein auge zu, aber die ohren bleiben gespitzt. erdenschwere, himmelspforte. adam lächelt nicht, adam weint nicht, adam bleibt andächtig und uninterpretierbar. eine (himmels)leiter drehend, im dunklen anzug. adam und die alte göttin zaubern licht, an und aus, nur mit einer feinen handbewegung. nach anderthalb stunden musiktheater bleibe ich unentschlossen und sehne mich nach mehr begeisterung. wilson entzückte im berliner ensemble mit allerliebst-spöttischen inszenierungen wie "faust" und "peter pan". faszination in mimik und bewegung. die er in adams welt streicht. arvo pärts gottesklänge kann man auch mit geschlossenen augen genießen. ein interessanter abend, der magisch sein will, aber zu getragen daher kommt.
War die Kritik hilfreich?
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Alles rührend
  · 28.03.18
''Ins Konzerthaus hat man für diese Aufführung eigens einen schwarzen Guckkasten eingebaut. Das evoziert unversehens die Proportionen des alten Schauspielhauses – man wähnt sich in Gründgens' Zeiten. Von Neonröhren gesäumt, ragt ein Steg ins Parkett hinein. Vor üblicher, lichtblauer Leinwand schreitet Adam im Adamskostüm feierlich zur Rampe, hebt einen Ölzweig auf. Ein Knäblein balanciert einen Ziegel auf dem Kopf, ein Haus schwebt. Eine Leiter lehnt am Nichts. Und die gute, inzwischen ein bisschen in die Jahre gekommene Lucinda Childs, tanzend, sieht aus wie Elke Sommer in der Hauptrolle von "Sunset Boulevard" – ready for her closeup.

Man denkt, hier entlarven einander zwei Altmeister wechselseitig als Kunstgewerbe. Das stimmt auch. Dem wohnt allerdings die ruhige Bescheidenheit eines Denkmals inne. Die Legende glimmt noch. In einer begleitenden Ausstellung im Foyer lernt man, wie Arvo Pärt mit Haaren aussah. Alles rührend.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich anmelden:

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN



eventim          Reservix Ticketing System

                                                    
Toggle Bar
X

Right Click

No right click