Bewertung und Kritik zu

EMOCRACY 
Interrobang
 
Premiere: 11. Oktober 2017 
Sophiensaele, Berlin

Zum Inhalt: Angesichts gegenwärtiger populistischer Herausforderungen stellen sich gesellschaftliche Grundfragen neu: Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Gibt es dieses Wir in Zeiten neoliberaler Einzelschicksale überhaupt noch? Worauf können wir uns noch einigen? Braucht es einen neuen Gesellschaftsvertrag? Sind immer nur die anderen Populist_innen, oder schlummern auch in uns populistische Sehnsüchte, die nur darauf warten geweckt zu werden?

Konzept: Till Müller-klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg
Performance: Bettina Grahs, Lajos Talamonti

Dramaturgie: Lisa Großmann
Bühne, Kostüm: Sandra Fox
Interaktive: Visualisierung Georg Werner
Videoprogrammierung: Florian Fischer
Lichtdesign, Technische Leitung: Dirk Lutz
Produktion: Ehrliche Arbeit – Freies Kulturbüro
Hospitanz, Praktikum: Talia Kracauer, Manuela Lachmann
Öffentlichkeitsarbeit: Tina Ebert
Foto: Michael Bennett, Creative Common
Fotodesign: Sandra Fox, Florian Müller-klug.


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2.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (1 mit Rezension)
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Pointe schnell ausgereizt
  · 11.10.17
Wie oft hat man sich diese Möglichkeit schon gewünscht? Einfach aufstehen und sich demonstrativ die Ohren zuhalten: schon springt die große Digitaluhr um und der Performer hat zwei Sekunden weniger Redezeit. Fairerweise gibt es auch die Chance, mit Faust zu sagen „Oh Augenblick, verweile doch, Du bist so schön“. In dem Fall muss man einfach nur aufstehen und schon bekommt der Schauspieler zwei kostbare Sekunden als Zugabe geschenkt.
Man stelle sich die nächste Castorf-Premiere vor: Seine Anhänger von der Volksbühne könnten dafür sorgen, dass Valery Tscheplanowa und Jürgen Holtz noch viel mehr Zeit für ihre Monologe bekommen und dass die Vorstellung auch im Morgengrauen noch längst nicht vorbei ist. Seine Gegner könnten gegen besonders mäandernde Passagen protestieren, in denen einzelne Sätze schier endlos wiederholt werden, und sie einfach abkürzen, wenn sie die Mehrheit bekommen. Da wäre einiges geboten im Publikum und die sechs Stunden, die ein Castorf-Abend im Schnitt das Sitzfleisch strapaziert, würden durch die kleine sportliche Betätigung viel kurzweiliger. Der Kreislauf käme auch in Schwung.
Das Publikum darf sich einmischen, ob ihnen mehr als 2 Minuten eingeräumt werden, ob Kunstnebel oder seichte Klaviermusik zur Untermalung eingesetzt werden. Zwanzig Minuten ist das Konzept ganz amüsant, danach ist die Luft aber schnell raus: die Pointe ist ausgereizt und die Geschichten sind provozierend banal.
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