Bewertung und Kritik zu

LUTHER dancing with the gods
Regie: Robert Wilson 
Premiere: 6. Oktober 2017 
Pierre Boulez Saal, Berlin

Zum Inhalt: Mit visionären Inszenierungen und einer hochexpressiven Bildersprache schreibt Robert Wilson seit vier Jahrzehnten Theatergeschichte. Zum 500. Jahrestag der Reformation erarbeitet er nun gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin ein Projekt, das Text und Musik, Klang und Bild, gestern und heute neu interpretiert und auf überraschende Weise kombiniert. LUTHER dancing with the gods – die erste szenische Produktion im Pierre Boulez Saal – verbindet Kompositionen von Bach, Knut Nystedt und Steve Reich mit Worten Martin Luthers, Texten des amerikanischen Dichters William Carlos Willams und Versen aus der Bibel.

Regie: Robert Wilson

Dauer: ca. 90 Minuten


Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
3.8/5 Insgesamt 4 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Modern & Sinnlich
  · 09.10.17
''Der Text "Komm, süßer Tod", den Bach ursprünglich für eine einzelne Solostimme vertont hat, ist bei Nystedt auf sechs chorische Stimmen verteilt. Diese Stimmen singen in unterschiedlichen Tempi, deshalb erlebt das Publikum gleich zu Beginn des Abends ein erstes, modernes Wunder der Mehrstimmigkeit.

Der Klangeindruck wird dabei nicht nur mit den Ohren, sondern mit allen Sinnen erfahren. Denn zum Gesang kommen in Robert Wilsons szenischem Konzert die Bilder hinzu, Bilder, die aus Licht  entstehen und aus Bewegungen auf geometrischen Bahnen: Immer wieder wechselt der Chor die Stellung, singt zu Beginn im Kreis, begibt sich dann auf die Treppen, die den oberen Saal mit der unten gelegenen Bühne verbinden, singt schließlich in unterschiedlichen Anordnungen auch zentral auf der Bühne, strahlt den Klang in alle Richtungen ab. Die vier Motetten von Johann Sebastian Bach erleben durch Wilsons Bühnen-Bildsprache eine vielfach verstärkte Wirkung.'' schreibt Hans Ackermann auf kulturradio.de
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Bach mit lebender Schlange, elliptisch
  · 10.10.17
''Mit Theater hatte das Ganze indessen wenig bis nichts zu tun, die Choreografie der Figuren brachten den Texten und der Musik keinerlei bereichernde Dimension bei, es blieb geschmäcklerisch und kunstgewerblich. Weder Bachs Geometrie noch sein Kontrapunkt haben etwas Mechanisches. Dass der US-Amerikaner mit dem Problem Luther, Reformation, Protestantismus und letztlich auch mit den ausgewählten Meistermotetten Johann Sebastian Bachs nichts weiter anzufangen weiß, wurde eineinhalb Stunden lang überdeutlich. Über das Grundarrangement hinaus gab es keine Idee zu entdecken. Die Einheitsmaskerade mit Renaissance-Touch verbarg keine weiteren Erkenntnisse, die zu quasi lebenden Bildern gerinnenden Zwischenspiele erreichten mit wilhelminischer Pseudotheatralik und Pappmaché-Requisiten eher das Lächerliche. Weder die kleine Teufelskarikatur noch ein Hieronymus-Bosch-Zitat oder eine lebende Schlange vermochten all dem die geringste Dialektik oder Dramatik zu entlocken. Das Programmheft verheißt in seinem an religiöse Indoktrination grenzenden Geschwurbel zwar hochtrabend, Wilsons setze einen „Kontrapunkt zu Bach“, hingegen bügelte die Dauer-Slowmotion mit geziert gestreckten Händen nur alle Plastik, Wortrealistik und Farbigkeit der vielgestaltigen Kompositionen platt. Da hatte es der Rundfunkchor Berlin schwer, das Bach'sche Spektrum in seiner ganzen Tiefe und Universalität aufleuchten zu lassen. Aber er sang überaus brillant und überzeugend und absolvierte dabei diszipliniert die vorgeschriebenen Bahnen und Bewegungen. '' schreibt Uwe Schwentzig am 10. Oktober 2017 auf KULTURA-EXTRA
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3.3
Durchschnittsnote aller Stücke
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Kritiken: 781
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