Einer flog über das Kuckucksnest

Bewertung und Kritik zu

EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST
Dale Wasserman nach dem Roman von Ken Kesey
Regie: Leander Haußmann 
Premiere: 20. Oktober 2022 
RambaZamba Theater, Berlin

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Zum Inhalt: Draußen hätten wir uns wahrscheinlich nie getroffen. Wenn doch, wären wir aneinander vorbeigegangen und hätten uns für ganz und gar normal befunden. Was auch immer das ist, das Normale. Hier drinnen findet man es vermutlich nicht. Hier ist das Kuckucksnest, regiert von der Oberschwester, Herrscherin über diese abgeschlossene Welt. Hier hängen wir alle zusammen, ein riesiger müder Haufen. Jeder Tag gleich: Pillen, Essensausgabe, Therapie, Pillen.
Du bist schon ganz wirr im Kopf. Du wehrst dich nicht einmal mehr. Du sagst ja gar nichts. Und so stört niemand das Delirium. Doch dann kommt der Neue, McMurphy, und stellt die Regentschaft in Frage. „Wer ist hier irre?“, brüllt er immer und immer wieder in den stillen Raum. Die Herrscherin zückt die Spritze. Und Du weißt genau: Das wird nicht gut ausgehen.

Mit: Christian Behrend, Franziska Kleinert, Anil Merickan, Dirk Nadler, Jonas Sippel, Sebastian Urbanski, Nele Winkler
Gäste: Phil Haussmann, Amon Wendel, Matthias Mosbach / Norbert Stöß

Regie, Bühne & Kostüm: Leander Haußmann
Musik: gespenster
Video: Marco Casiglieri
Licht: Andrei Albu, Amelie Boitz, Martin Wolter
Ton: Gary Scully, Fatemeh Ghasamipour
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Mitarbeit Kostüme: Kunigunde Kuhl
Schneiderei: Juan Antonio Dimateo López
Regieassistenz: Michael Geißelbrecht
Hospitant*innen Regie: Muriel Hardt, Amon Wendel, Joy von Wienskowski
Hospitantinnen Kostüm: Lilly Meyer, Ludovica Lombardi


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Zwischen Verfolgungsjagd und Kindsköpfigkeit
  · 22.10.22
Am Ende dieser 100 Minuten kommt Haußmanns typischer Stil ganz bei sich an: zu Pop und Rock brechen die Insassen der Psychiatrie aus und rasen in einem vorproduzierten Anarcho-Slapstick-Video durch den Prenzlauer Berg. Die Flucht vor Schwester Ratched (Franziska Kleinet) ist unterhaltsam gemacht und bietet einige Insider-Running-Gags wie den Detlev Buck-Auftritt als überfordertem Streifenpolizisten, der seit der „Sonnenallee“ durch Haußmanns Werk geistert. Auch typisch Haußmann ist die unbeschwerte Kindsköpfigkeit, mit der sich einen Gastauftritt als Zuhälter und schmieriger Kleinkrimineller gönnt.

Ein Haußmann-Auftritt kommt auch nie ohne eine Rampensau aus. Am BE übernahm diese Rolle oft Matthias Mosbach, der seit einigen Jahren als Schauspieler und mittlerweile auch als Regisseur mit dem RambaZamba-Ensemble arbeitet und diesmal die Rolle eines Patienten, der sich für den Anstalts-Arzt hält, spielen sollte. Leider musste er Corona-bedingt passen: im vorproduzierten Film ist er zwar dabei, in den wesentlich längeren Live-Passagen sprang Norbert Stöß, ebenfalls ein bekanntes Gesicht aus der Peymann-Ära am BE, für ihn ein. Den Rampensau-Auftritt legt diesmal Jonas Sippel aufs Parkett, einer der bekanntesten RambaZamba-Spieler und auch regelmäßig in Koproduktionen am Deutschen Theater Berlin zu sehen. Er spielt die Rolle von McMurphy, entert die Bühne mit einer kleinen Breakdance-Choreographie und bekommt auch Szenenapplaus, wenn er sich als Alter ego von Jack Nicholson in einzelne Szenen des Hollywood-Films einklinkt, die über die Leinwand flimmern.

Die Kritik an Auswüchsen wie der Lobotomie, die in der Anti-Psychiatrie-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre angeprangert wurden und mit diesem Film auch ein breites Publikum erreichten, kommt in der RambaZamba-Komödie nicht zu kurz. Allerdings ist die erste Stunde streckenweise etwas zu sehr Film-Nacherzählung, erst auf der Zielgeraden löst Haußmann die Handbremse und lässt der Spielfreude freien Lauf.

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